Pfarrer Ulrich Henze feierte mit zwei Gottesdiensten in der Evangelischen Kirche Zell am Harmersbach Abschied von seinem aktiven Berufsleben. Auch die Narrenzunft Zell stand Spalier.


Schön, dass Sie da sind – mit diesen Worten eröffnete Ulrich Henze am Sonntag in der evangelischen Kirche Zell seinen letzten Gottesdienst als aktiver Pfarrer. Zum Ende seiner beruflichen Laufbahn wünschte sich Uli, wie er von allen liebevoll genannt wird, für zwei Gottesdienste dorthin zurückzukehren, wo seine Laufbahn als Pfarrer vor mehr als 35 Jahren begann. Die Kirchengemeinde entsprach dem Wunsch gerne und so fanden sich am 29. Oktober und 5. November jeweils zahlreiche Besucher in der evangelischen Kirche ein.
Uli hatte sich von Anfang an weit über die Kirche hinaus engagiert, war ein begeisterter Narr auf der Zeller Fasend, in verschiedenen Gesangsformationen aktiv und pflegt zahlreiche Freundschaften in Zell. So war es nicht verwunderlich, dass beide Gottesdienste überaus gut besucht und im wahrsten Sinne des Wortes ökumenisch waren.
Ein anderes Glaubensbekenntnis
Es war der gegebene Anlass, die Frage nach dem Fundament unserer Kirche und unseres Glaubens zu stellen. Uli beantwortete diese Frage mit einem Glaubensbekenntnis, dass das Christsein in den Blick nimmt. Mit seinen Worten: Ich glaube, dass die Kirche dort lebt, wo Christus in ihr Gestalt gewinnt und wo sich Menschen auf die Suche nach Jesus Christus machen. Dort, wo diese Suche nach außen strahlt und ansteckend ist. Die Zustimmung im Raum war spürbar.
Loslassen was man liebgewonnen hat, aus der Hand geben was einem wichtig geworden ist, das fällt schwer. Im Alltag, am Ende einer beruflichen Laufbahn, wenn die Gemeinde vakant wird, wenn das Leben hart ist und Veränderungen fordert. Zuversicht wurde spürbar als Uli versicherte, dass Gott uns nicht allein lässt und dass wir keine Angst zu haben brauchen.
Abschiedspredigt in Reimform
Was ist es was uns Christen ziert, worauf die Kirche wohl basiert? Die Abschiedspredigt, kurzweilig und in wohlgesetzten Reimen gehalten, gab tiefe Einsichten in die Fundamente der Kirche und des christlichen Lebens.
Als erstes nenn ich Gottes Wort, als Basis Halt und sicheren Ort. Noch mehr Besitz, noch mehr Geld – ist es das, was Dir wirklich fehlt? Gottes Wort, das steht uns offen. Der Tod schreckt uns nicht, wir dürfen hoffen.
Wer Jesus kennt, kann fröhlich leben. Nur hilft es nichts, wenn wir’s nur lesen und nicht durch unser Wesen, von dieser Freude Zeugnis geben. Ein Zeichen für die Christenheit, ist die gelassene Heiterkeit.
Mit dem Schiff, das sich Gemeinde nennt, fahren wir durch Meer und Wellen. Doch muss sich jemand finden, stellen der opfert seine Kraft und Zeit. Lasst Euch das Christsein etwas kosten, das Ehrenamt verhindert rosten. Verdinge Dich im KGR, hier braucht man Deine Hilfe sehr.
Musik ist das Fundament Teil Vier, als Trost, Erbauung und Pläsier. Ergänzend zum gesprochenen Wort ist diese Kirche Musen-Hort. Armselig käme der Geist daher, wenn nicht der schönen Künste wär.
Es gehören zum Fundament, die, die man Hauptamtliche nennt. Man hat mit Freude registriert, dass jemand hat sich interessiert. So hoffe ich, man kann bald verkünden, wen man als Pfarrer konnte finden. Doch eine die Bitte treibt mich um: Geht pfleglich mit dem Neuen um!
Das, was man Ökumene nennt, ist wichtig für das Fundament. Im Grunde muss man verstehen, gemeinsam kann es gehen. Ein wacher Blick erkennt es schon: die Kirche braucht Reformation. Der Aufbruch dann den Slogan hätte: lebt Ökumene, jede Wette!
Ein Letztes noch, so ist das eben, heißt nicht Glauben auch Frieden leben? Der Gottesdienst soll uns verwandeln, dass wir gestärkt als Christen handeln. Mach zum Freunde Deinen Feind, das ist was uns vereint.
Applaus für die Predigt
Langer und begeisterter Applaus war der Dank für diese Predigt.
Im Fürbittengebet kam der Wunsch nach einer Gemeinde zum Ausdruck, in denen Gott ein Zuhause hat und in der sich Menschen finden. Dazu passte der gesungene Segen, bei dem die gesamte Gemeinde mitmachen konnte.
Die Narrenzunft steht Spalier
Der anschließend von Uli ge äußerte Wunsch nach einem zünftigen Mittagessen mit seiner Familie musste warten. Die Zeller Narrenzunft war am Ausgang aufmarschiert und der Narrenrat stellte klar, dass man Uli noch nicht gehen lassen werde. Er geleitete Uli zur Musik des Zeller Narrenmarsches vor die Kirche. Dort stand die Narrenzunft Spalier und brachte eine, dem Anlass entsprechende Neufassung des Zeller Narrenmarsches zu Gehör.
Der so hoch Geehrte war sichtlich gerührt und hatte alle Mühe die guten Wünsche von Narren, Gottesdienstbesuchern, Familie und Freunden entgegenzunehmen. Es war ein schöner und denkwürdiger Gottesdienst in einer großen, lebendigen Gemeinde.