Verband würdigt die herausragenden Verdienste des Zeller Historikers. Gestern fand die Jahresversammlung im Rundofen statt. Dabei rückte der Historische Verein Zell die Fabrikrede von Franz Joseph Buß und die Geschichte der Zeller Keramik in den Blickpunkt.





Am gestrigen Sonntag fand die Jahresversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden in Zell a. H. statt. Mit dem Rundofen trafen sich die Vertreter der 26 Mitgliedergruppen an einem besonders geschichtsträchtigen Versammlungsort. Das Programm war zweigeteilt in einen inoffiziellen vereinsinternen Bereich und in einen öffentlichen Teil. Dieses bot eine bunte Mischung von Musik, Inszenierung historischer Highlights, einer gelungenen Präsentation zur Geschichte der Zeller Keramik und eine Buchvorstellung.
Präsidenten im Amt bestätigt
Dr. Cornelius Gorka berichtete über die vergangen drei Jahre sich von den Coronazwängen loslösenden Aktivitäten. Diese hatten vor allem zum Ziel, die Kostenseite des Flaggschiffs des Vereins das Jahrbuch „Die Ortenau“ zu reduzieren und das gelang auch. Gleichwohl war es unvermeidlich geworden, eine mäßige Beitragserhöhung der Versammlung zur Entscheidung vorzulegen. Die Versammlung stimmte diesem, auch im Vorfeld schon aus führlich begründeten Antrag zu.
Die anstehenden Wahlen des Gesamtvorstands entschieden die Vereinsvorstände der Historischen Vereine des Ortenaukreises positiv: Der gesamt berichtende Vorstand wurde unter souveräner Wahlleitung von Herbert Vollmer, Nordrach, einstimmig entlastet und wiedergewählt: Dr. Cornelius Gorka, Dr. Ewald Hall und StDir. Bertram Sandfuchs als – nach neuer Satzung – gleichberechtigte Präsidenten; Dr. Heinrich Schwendemann als Schatzmeister; Frau S. Birk als angestellte Rechnerin; Dr. Martin Ruch als Redakteur der „Ortenau“; René Siegrist als Koordinator für grenzüberschreitende Aktivitäten; Ralf Bernd Herden als Justitiar sowie Martin Lietzau als Sprecher der Vereinsbibliothek. Erneut bestätigt wurden unter Wahlleitung von Cornelius Gorka auch die Kassenprüfer Patricia Hemmer und Herbert Vollmer.
Dr. Dieter Petri wurde dann gebeten die Versammlung zeitweise zu verlassen, um über einen Antrag des Historischen Vereins Zell a. H. zur Ehrenmitgliedschaft entscheiden zu können. Vorsitzender Bertram Sandfuchs beschrieb die vielfältigen Verdienste von Dieter Petri als ehrenamtlicher Stadtarchivar, als Stadtchronist, als Schriftführer des Historischen Vereins, als Vorsitzender des Rundofenvereins, als Experte für jüdische Geschichte und für das gesamte Oeuvre von Franz Josef Buß.
Freude an der Geschichte
Nachdem die Vereinsmitglieder die notwendigen Regularien behandelt hatten, öffnete sich die Versammlung für weitere Gäste aus dem öffentlichen Leben, allen voran Bürgermeister Günter Pfundstein. Ihm schlossen sich Vertreter des Zeller Gemeinderats sowie Mitglieder des Zeller Historischen Vereins und des Fördervereins Zeller Kunstwege der Versammlung an.
Den wichtigen Beschluss konnte Studiendirektor a. D. Bertram Sandfuchs, 1. Vorsitzender und Präsident des Historischen Vereins für Mittelbaden, gleich zu Beginn bekanntgeben: „Die Versammlung hat einstimmig beschlossen, Dr. Dieter K. Petri die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen.“ Mit seinen herausragenden Verdiensten in der Geschichtsforschung habe er sich diese Auszeichnung mehr als verdient, würdigte Bertram Sandfuchs unter dem anhaltenden Applaus der Anwesenden die Verdienste von Dieter Petri. Als äußeres Zeichen überreichte er ihm die Ernennungsurkunde.
Der Geehrte selbst wünschte den Mitgliedern des Historischen Vereins weiterhin viel Freude an der Geschichte und formulierte als seinen persönlichen Rat: „Geschichte ist nicht immer erfreulich. Man sollte das Gute als Vorbild nehmen und das Schlechte nicht nachmachen!“
Bürgermeister Günter Pfundstein freute sich, dass der Historische Verein für Mittelbaden den Rundofen als Versammlungsort gewählt hat. Sein Willkommen galt den Besuchern aus dem Elsass und aus dem gesamten Ortenaukreis. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“, zitierte der Bürgermeister den deutschen Politiker August Bebel, um die Bedeutung der Geschichtsforschung zu unterstreichen. Der Historische Verein halte die Geschichtskenntnis sowohl regional als auch überregional wach.
Die Fabrikrede von Franz Joseph Buß
Ein weiterer Höhepunkt des gestrigen Geschichtstags war die Inszenierung der Fabrikrede von Franz Joseph von Buß und die Vorstellung einer neuen Schrift, die der Historische Verein Zell herausgegeben hat.
Dieter Petri skizzierte in einführenden Worten die Lebensgeschichte von Zells berühmtestem Sohn und den Weg zu seiner „Fabrikrede“, die er im Alter von 34 Jahren vor der Zweiten Kammer des badischen Parlaments im Jahr 1837 gehalten hat. Damit trat er in Zeiten der beginnenden Industrialisierung für eine gute Ordnung im Arbeitsleben ein.
Wie bei der Eröffnung des Rundofens im Mai 2022 erweckte Bildsteinpreisträger Felix Riehle szenisch gekonnt Franz Joseph Buß zu neuem Leben, mit entschlossener Stimme Reformen einfordernd. Den zahlreichen Zuhörern wurde so bewusst, wie fortschrittlich Buß damals war mit dem „Paukenschlag“ seiner Fabrikrede von 1837.
Passend dazu stellte Präsident Bertram Sandfuchs anschließend den Neudruck der gesamten Fabrikrede im Wortlaut vor, die vom Historischen Verein Zell herausgegeben wird und ab Donnerstag im Rathaus von Zell (Tourist-Information) , im Rundofen und im Storchenturm-Museum kostenlos erhältlich ist. Der Schwarzwälder Post Verlag hat Gestaltung, Layout und Druck übernommen und damit ein ansprechendes Heft von 70 Seiten produziert. Alle Teilnehmer der Veranstaltung konnten bereits diesen Neudruck mitnehmen.
Der Experte für Neuere Geschichte Dr. Heinrich Schwendemann, Schatzmeister des Gesamtvereins, verfasste eine erhellende Einleitung, die die Intentionen von Buß und die Erfahrungen von Buß (sein Geburtshaus nur wenige Schritte entfernt von der Oberen Fabrik!) erläutert. Eine biografische Skizze von Karl Fischer und das historische Geleitswort von August Bebel wurden der Neuausgabe außerdem hinzugefügt.
Kunstausstellung und Keramikgeschichte
Vorsitzender Wolfgang Hilzensauer vom Förderverein Zeller Kunstwege gab den Teilnehmern einen Einblick in die Ausstellung der Keramikkünstlerin Christine Ruff, die aktuell im Rundofen zu sehen ist.
Höhepunkt der öffentlichen Veranstaltung war dann der reich bebilderte Vortrag von Prof. Dr. Fritz Riehle, Braunschweig, zum Thema „Über zwei Jahrhunderte Zeller Keramikindustrie“ Die Zuhörer äußerten sich danach begeistert über Struktur, Inhalt und Vortragsweise des fachlich versierten Referenten. In den vereinbarten, exakt eingehaltenen 45 Minuten gelang es Fritz Riehle, alle wesentlichen Aspekte der Fabrikgeschichte den Zuhörern nahezubringen: die Entwicklung der Fabriken zu einer Fabrik mit ihren Aufs und Abs, die Besitzerfamilien, die komplizierte Technik der Porzellan- und Keramikherstellung und die umfangreiche Dekorgeschichte. „Es tut in der Seele weh“, kommentierte Fritz Riehle den jüngsten Insolvenzantrag der Zeller Keramik.
Führungen durch Rundofen und Altstadt
Die gebotene Gastfreundschaft von Zell wurde durch weitere Mitwirkende unterstrichen: dem Bläserquartett der Stadtkapelle Zell und des Musikvereins Unterharmersbach (Stefan Polap, Joel Braun, Roman Armbruster und Fabian Kornmeier), die für Ihre Musikvorträge kräftigen Beifall und viel Lob erhielten. Die Bürgerfrauen Rita Gutmann und Pia Spicker kredenzten sehr gastfreundlich in ihrer schmucken Tracht Gebäck und Getränke.
Nach dem bestens mundenden Mittagessen im Restaurant „Bräukeller“ führten Vorstandsmitglied Annelis Saade und Vereinsmitglied Lilo Schwarzer jeweils eine große Gruppe durch den Rundofen und die Altstadt von Zell. Die Teil nehmer zeigten sich anschließend äußerst zufrieden mit den Entdeckungen, die beide Führerinnen ihnen ermöglichten.