Schauspiel, Zirkus, Tanz und viel Musik gab es beim Landesrockfestival 2023.






„Are you ready to rock?“, hallte es aus den Boxen und der Jubel der vielen hundert Besucher im Stadtpark zeigte, mit welcher Spannung am Donnerstagnachmittag die Acts des Landesrockfestivals – ausgerichtet vom Zeller SBBZ – erwartet wurden.
Zweieinhalb Schultage lang hatten 120 Schülerinnen und Schüler des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums sowie neun badische Partnerschulen im Rahmen von 15 Workshops ein Programm erstellt, das von den Festivalbesuchern begeistert aufgenommen wurde.
Schulleiter Matthias Demmel freute sich über die große Resonanz und würdigte die vielfältige Unterstützung im Vorfeld des Projekts. Unter den zahlreichen Gästen begrüßte Rektor Demmel den stv. Bürgermeister Hannes Grafmüller sowie Kulturreferentin Dr. Kathrin Beck vom Kultusministerium, Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich vom Staatlichen Schulamt Offenburg, Schulrat für Sonderpädagogik Andreas Mattuscheck und den Ortenauer Schuldekan Stephan Kilb.
Den musikalischen Auftakt besorgten die „Orff Rocker“ unter der Leitung von Lehrer Günter Sinz, seit vielen Jahren der ‚Music-Director‘ im SBBZ: Xylofone und weiteres Schlagwerk zur elektrisch verstärkten Akustikgitarre verliehen dem Oldie „Rock around the clock“ ein neues musikalisches Gewand.
Mit Alphörnern und Okarinas – Marke Eigenbau
Einen perkussiven Donnerhall erzeugten 15 Cajons mit einem Schlag zugleich, überraschten aber auch mit dezenten Rhythmen, etwa beim Zusammenklang von Djembe und anderem Schlagwerk und begleiteten unter Anleitung des Freiburger Percussionisten ‚Pape‘ eine Gruppe Alphornbläser. Dafür gab es sogar Applaus auf offener Szene.
Die acht Exemplare des Schweizer Nationalinstruments hatten die Schüler in ihrem Workshop aus Kunststoff-Rohrelementen selbst gebaut. Ideengeber für die ebenso virtuose wie skurrile Darbietung war Musikpädagoge und Multiinstrumentalist Franz Schüssele, ehemals musikalischer Kopf der über die Ortenau hinaus bekannten „Gälfiäsler“.
Bei so viel Engagement seiner Schülerinnen und Schüler fühlte sich auch der Rektor „herausgefordert“: A cappella intonierte Matthias Demmel eine Strophe von „We will rock you“ und Jung und Alt im Publikum sangen die Refrainzeile lautstark mit, während eine Mädchengruppe mit Okarinas die Melodie des Queen-Klassikers perfekt wiedergab. Unter tatkräftiger Mithilfe von Ina Grodd aus Gengenbach waren auch diese aus Ton geformten Instrumente im Eigenbau entstanden.
Von „wilden Kerlen“ und Zirkusakrobaten
Allgemeines Staunen bei den Besuchern im Park herrschte über die breite Palette der Schülerdarbietungen. Mädchen und Jungen der Grundstufe hatten sich das Kinderbuch „Wo die wilden Kerle wohnen“ vorgenommen und daraus ein szenisches Spiel mit Lesung, Musik und Geräuschen gestaltet. Sarah Brandhuber von der Württembergischen Landesbühne leistete ganze Arbeit mit ihren Schützlingen.
Nachbarschaftliche Grüße überbrachten die Kinder aus der „Villa Regenbogen mit einem tollen Boomwhackers-Auftritt, während die Tänzerinnen von Sportlehrerin Ellen Hoch mit einer eindrucksvollen Choreographie überzeugten, die Pantomime und Pop-Tanz vereinte – furios zur Musik des Dance-Hits „What is love, baby, don’t hurt me“.
Für eine Überraschung immer gut ist Horst Koller, SBBZ-Leiter im (Un)ruhestand, der als Zirkusdirektor – stilecht mit Zylinderhut – die Mädchen und Jungen des „Zirkus Karambolage“ als Fakire, Feuerschlucker und Akrobaten jedweder Art durch die Pavillon-Manege dirigierte. Felicia Fricke und Ronja Seifried, Junior-Profis im Einrad-Fahren, assistierten beim Balancieren.
Kulinarisches und Geburtstagsglückwünsche
Anfeuern, mitsingen und klatschen machten bei den sommerlichen Temperaturen viele Zuschauer zunächst durstig und bald darauf auch hungrig. Die gute Organisation und das vielfältige Angebot an Getränken und Speisen wie Flammkuchen, Würstchen und diverses Fingerfood sorgten für zufriedene Festivalgäste, gerade wenn längere Umbauphasen Zeit für Pausen ließen.
Diese nutzte Schulleiter Demmel für Informationen über die Arbeit in den Workshops und unterhielt das Publikum wortgewandt. Dennoch gab es auch leisere, familiäre Momente, auf die im Schulalltag Wert gelegt wird. Die Kinder sangen zusammen mit dem an der Ukulele begleitenden Rektor ein Geburtstagsständchen („Herzlichen Glückwunsch“) für Milena und Iven, die beide in der Workshop-Woche ihr „Wiegenfest“ feiern konnten.
Mit einer La-Ola-Welle belohnt
Den Abschluss des über vierstündigen Mammut-Festivalprogramms bildeten weitere Music-Acts, mit denen die Schülerinnen und Schüler das Ergebnis ihrer innerhalb weniger Tage geleisteten Zusammenarbeit zeigten: Rock und Rap, Song und Instrumental in trauter Eintracht.
Dabei kam auch der Spaß nicht zu kurz. Die „Verrückten Hühner“ aus dem „Hahn und Henne-Städtle“ coverten mit Nonchalance die Nummer 1 der deutschen Charts: „Komet“ von Udo Lindenberg und Apache 07. Der Vortrag wurde umgehend mit einer La-Ola-Welle belohnt.
Viel Beifall gab es für die inklusive Band „Together“ des Jugendmusikwerks Baden unter der Leitung von Marco Sharif-Khan, die mit ihrer Version des Pop-Klassikers „Zombie“ begeisterten. Dass man auf Grundlage einer echten Zigarrenkiste eine funktionierende Gitarre mit Tonabnehmer bauen und damit einen fulminanten Slide-Sound erzeugen kann, versetzte nicht nur das Publikum in Erstaunen und Bewunderung. Die „Cigar Box Band“ zog bei ihrem Auftritt alle Register eines gediegenen Zusammenspiels.
Rundum gelungener Festival-Ausklang
„Rock Musik aus einem Stück Holz“, kommentierte der Schulleiter anerkennend. Ohne Zweifel einer der Höhepunkte des rundum gelungenen Landesrockfestivals 2023 im Stadtpark über dem Rundofen. „Da, wo der Applaus tobt“, um es mit den passenden Worten von Udo Lindenberg aus dem Song „Komet“ zu sagen.
Voll des Lobes äußerte sich Rektor Demmel über die Darbietungen der Mädchen und Jungen aus den insgesamt zehn SBBZ. Nachdrücklich verwies er auf die gute Zusammenarbeit in den einzelnen Teams während der Workshop-Tage. Der Schulleiter dankte den vielen Sponsoren und Helfern, den Eltern und den Betreuern der Workshops. Dank erging auch an die Verantwortlichen bei der Evangelischen Kirche für die Bereitstellung zusätzlicher Räume.
Der laue Sommerabend klang aus, wie es sich für ein Rockfestival gehört: Die ‚Beat Men‘ performten ein Set aus Rock- und Pop-Klassikern. Nebenbei bemerkt – Frontman und Leadsänger der Band ist Matthias Demmel.
Glückwunsch zu diesem tollen Bericht, der die grandiose Stimmung wiedergibt