Vergangenen Donnerstag konnte Frieda Oehler auf 99 Lebensjahre zurückblicken.
Zu den Gratulanten im Betreuten Wohnen des St. Gallusheimes zählten ihr Betreuer Herbert Vollmer, die Heimleitung und Heimbewohner Werner Faißt, der mit 98 Jahren gleichfalls zu den ältesten Heimbewohnern zählt. Am Freitag schlossen sich den Gratulanten Bürgermeister Günter Pfundstein und der Großcousin Gustav Kaufmann an. Letzterer hält auch unterm Jahr Verbindung zur »Tante«, obwohl er dafür eigens von seinem Wohnort am hessischen Feldberg anreisen muss.
»Ich kann’s nicht glauben«, sagt Frieda Oehler über das erreichte Lebensalter erstaunt. Allerdings hat es ihre ältere Schwester ihr mit 98 Lebensjahr schon annähernd vorgemacht. Auf die Frage, wie man es schafft, so alt zu werden, meint sie beiläufig. »Mr hett halt immer schaffe mueße«. Gemeint ist zuerst die Arbeit in der Landwirtschaft des Elternhauses. Hinzu kam dann die Tätigkeit als Hausangestellte im Nordracher Gasthaus Stube. Dass die Tante bis ins hohe Alter noch überall mit anpackte, weiß der Verwandte aus Hessen. Noch mit 83 Jahren habe sie an der Bandsäge gestanden und Holz für den Ofen gemacht.
Dass sie noch jeden Tag aufstehen kann, freut die Jubilarin am meisten. Gerne genießt sie tagsüber den Ausblick von ihrer höheren Warte aus. Seit ihr Knie anhaltende Schmerzen macht, hat sie mit dem Rollator vorliebgenommen. Innerhalb des Hauses traut sie sie sich auf alle Etagen. Wenn es um das Haus herum gehen soll, muss sie jedoch die Hilfe einer Pflegekraft in Anspruch nehmen. »Bin froh, hier gut versorgt zu sein«, stellt sie zufrieden fest. Die ihr zugeteilte Pflegerin bedankt sich ihrerseits für die gleichbleibende Freundlichkeit der Jubilarin.
Frau Oehler gibt zu, dass sie nicht jeden Tag »gut drauf« ist. Trübes Wetter drückt auch ihr auf die Stimmung. Aber wenn Unlust aufkommt, sagt sie sich selbstdiszipliniert: Da muss ich durch. Zur täglichen Beschäftigung gehört die Lektüre der Schwarzwälder Post. Im Vordergrund stehen die Meldungen aus der Heimatgemeinde Nordrach. Aber auch was in Zell so passiert, interessiere sie. Das Geschehen in der weiten Welt blendet sie nicht aus. Bevor sie abends zu Bett geht, schaut sie sich im Fernsehen die Abendnachrichten an.
Wenn es wärmer wird, möchte ich den Rundofen besuchen, erzählt Frau Oehler bei der Geburtstagsfeier Bürgermeister Pfundstein. Spontan signalisiert dieser der Jubilarin, sie dorthin gerne begleiten zu wollen. Wohlwollende Heiterkeit und bleibende Neugier scheinen das Geheimnis ihrer Lebenskraft auszumachen. Die »Schwarz wälder Post« schließt sich den guten Wünschen für die Jubilarin an.