Zur Osternachtfeier am Sonntagmorgen versammelten sich ab 5.30 Uhr die Gläubigen um das Osterfeuer auf dem Kirchplatz.



»Schön, dass Sie alle da sind und wir fast wieder normal miteinander die Osternacht feiern können«, begrüßte Pfarrer Gerner. Er bezeichnete das Licht als das zentrale Element der Osternacht. Pfarrer Gerner erklärte zu der derzeitigen Dunkelheit des Krieges, dass das Feuer/Licht dazu einen Kontrapunkt setzt. »Jesus hat uns Licht geschenkt und Hoffnung. Er vertreibt die Dunkelheiten unseres Lebens«, betonte Gerner. Er segnete das öster liche Feuer und entzündete eine Flamme, die wiederum die Osterkerze entfachte.
Licht der Osterkerze weitergegeben
Gemeinsam zogen alle Teilnehmer in die dunkle Kirche ein. Das Licht der Osterkerze wurde von den Ministranten an die Kerzen der Gläubigen weitergegeben, so dass es nach und nach immer heller wurde. Der erste Teil der Feier fand in der nur mit Kerzen beleuchteten Kirche statt. Bruder Pirmin sang das ausführliche »Excultet« – ein feierlicher Lobgesang auf die Osterkerze.
Lektorin Jutta Uhl trug die Lesung vom Zug der Israeliten durch das Rote Meer vor, die Flucht von den Ägyptern. Darin wird beschrieben, wie Jesus seine schützende Hand über Moses und das Volk Israel hält. Das darauffolgende Lied »Wagt euch zu den Ufern« passte thematisch gut zu diesem Text und vermittelte Aufbruchstimmung in der Kirche.
Bruder Pirmin las das Evangelium von der Auferstehung Jesus von den Toten vor. Umrahmt wurde dieser Text von dem Evangelisten Lukas mit einem feierliche Hallelujaruf von Chor und Gemeinde.
In seiner Predigt ging Pfarrer Gerner zunächst auf die gelockerten Corona-Verordnungen ein. Die meisten Menschen hätten sich darüber gefreut. Getrübt wurde diese Freude durch den Krieg in der Ukraine. »In den Kirchen und überall treffen sich Menschen, um für den Frieden zu beten«, beschrieb er die Situation. In Rom im Colosseum haben am Karfreitag tausende Menschen gebetet, die Texte zum Kreuzweg erzählten von Krieg, persönlichen Ängsten und von Hoffnung. Viele Familien in den unterschiedlichsten Konstellationen und Lebenslagen waren dort versammelt. Bei der Kreuzwegstation »Jesus stirbt am Kreuz« haben ein ukrainischer und ein russischer Pilger gemeinsam ein Holzkreuz getragen. Gefragt wurde: »Jesus, warum hast du uns im Stich gelassen?«, gefolgt vom Gebet um die Kraft der Vergebung.
Trauer und Freude, Dunkel und Licht
Die Glaubens- und Lebenszeugnisse der Familien machten deutlich, dass sie von Hoch und Tiefs geprägt sind. »Sie sind ein Spiegelbild unserer Familien – auch wir haben unsere Auf’s und Ab’s«, sagte Gerner. Parallelen dazu gebe es in der Ostergeschichte: Die Apostel waren zunächst in einem Schockzustand, weil der Messias leiden und sterben musste. Die Frauen haben dann das leere Grab entdeckt, den Jüngern davon berichtet und sie standen dann auch am leeren Grab und konnten das Geschehen nicht deuten. Wer konnte erahnen, dass Jesus auferstanden ist? Erst nach und nach sei die Gewissheit gekommen, dass Jesus lebt.
»Trauer und Freude, Dunkel und Licht gehörten von Anfang an zum Glauben«, betonte Gerner. Wir erleben Resignation über die fruchtbaren Kriegsbilder und sehen gleichzeitig die helfenden Hände und liebevollen Blicke der Helfer – das sei ein Vorgeschmack auf die Auferstehung: »Jesus ist da, auch heute – er lebt.« Diese Erfahrung zu machen, wünschte er den Gläubigen am Ende seiner Predigt.
Danach segnete Pfarrer Gerner das Taufwasser und die Gemeindemitglieder erneuerten ihr eigenes Taufversprechen.
Wir sehen die Bilder aus der Ukraine
Die ausführlichen Fürbitten wurden von Lektorin Jutta Uhl vorgetragen. »Wir hören die Osterbotschaft und sehen die Bilder aus der Ukraine«, erklärte sie zu Beginn. Die erste Fürbitte galt den Menschen in der Ukraine, die unter Bombenterror und Gewalt in ihrer Heimat leiden. In der zweiten Fürbitte wurde für Menschen in allen Kriegsgebieten dieser Erde gebetet, für die Soldaten und Zivilisten, die Tod und Zerstörung erleben. Dann machte die Lektorin darauf aufmerksam, dass in Deutschland zurzeit über Waffenlieferungen diskutiert werde und gleichzeitig in den Ostermärschen für den Frieden demonstriert wurde. »Wir beten für die politisch Verantwortlichen in unse- rem Land, die weitreichende Entscheidungen treffen müssen«, sagte Jutta Uhl. Darauf folgte eine ungewöhnliche Bitte: »Wir beten für die Bestatter, die für Beerdigungs- und Trauerfeiern da sind. Wir beten für alle, sie sich um die Trauernden sorgen.« Die letzte Fürbitte galt dem Heiligen Land Israel, in dem es immer wieder zu Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern kommt. »Wir beten für die Bewohner und für alle, die sich für den Frieden einsetzen.«
Osterfrühstück im Pfarrheim
Am Ende der Feier segnete Pfarrer Gerner die bunten Ostereier, die an die Kirchenbesucher verteilt wurden. Er bedankte sich bei allen Beteiligten, die sich bei der Vorbereitung und Durchführung der Feier eingebracht haben. Der spontane Beifall der Gemeinde zeigte, dass es allen gut gefallen hat.
Die Tradition des Osterfrühstücks nach der Osternachtfeier ließ das Zeller Gemeindeteam wieder aufleben. Gemeinsam mit den Mitgliedern der Musikgruppe Horizont, den Ministranten, Lektoren, Messner und Pfarrer Gerner wurde in froher Runde miteinander im Pfarrheim gefrühstückt.