Seriösen Quellen zufolge war anno 2020 das Schadholzaufkommen im Schwarzwald geringer als zunächst befürchtet. Käfer- und Trockenholz sind weitgehend aufgearbeitet und vermarktet. Was das mit Rundholzlogistik zu tun hat, erklärt Manfred Oestreich.


In allen Sortimenten wird aktuell ein steigender Bedarf an Frischholz nachgefragt. Die Schnittholzmärkte laufen sehr gut. In den Hauptsortimenten konnten die Sägewerke deutliche Preiserhöhungen durchsetzen. Drei Betriebe investieren derzeit gemeinsam in ein Brettsperrholzwerk im nadelholzreichen Nordschwarzwald. Alles in allem herrscht ein fruchtbares Investitionsklima.
Gut vernetzt
Davon profitiert auch der Rundholzlogistiker Georg Lehmann. Aufgewachsen in Oberharmersbach-Zuwald übernahm er vor 33 Jahren die Langholzsparte von Franz Pfaff aus Unterharmersbach. Pfaff hatte mit seiner selbstfahrenden Betonpumpe genug zu tun. Von Gengenbach aus bedient Lehmann einen soliden Kundenstamm. Seine Stärken liegen im Kurzstreckenbereich. Das Regelgeschäft läuft in einem Radius von 70 Kilometer rund um den Firmenstandort ab. Die Grenzen in Nordsüdrichtung liegen bei Wissembourg (F) und Basel (CH) im Süden.
Rundholzlogistik im Fernverkehr ist gewiss bequemer. Der Nahverkehr ist mit längeren Standzeiten durch Ladegeschäft verbunden. Leute wie Georg sind für die Säger in der Region systemrelevant. Pünktlichkeit garantiert den Rundlauf in den Betrieben. Flexibilität ist gefragt, wenn der Kunde infolge Produktionsumstellung überraschend ein anderes Holzsortiment benötigt. In solchen Fällen hilft der Kurzstreckenspezialist. Dieser muss seine Tagesplanung umwerfen, doch Sonderwünsche werden extra berechnet. Das weiß der Kunde. Kurzstreckenprofis sind auch gefragt, wenn auf dem Schadholzlagerplatz überraschend Überseecontainer für China beladen werden müssen. Um größere Aufträge pünktlich abwickeln zu können, werden schon mal Transporte im Konvoi abgewickelt. Bei einem zuverlässigen Systempartner wird ein geeignetes Fahrzeug zum Beladeort bestellt. In der Regel handelt es sich um einen Plattformsattelanhänger mit Rungen aber ohne Ladekran. Ohne Ladekran, das bedeutet mehr Nutzlast. Die Organisation, bestehend aus Frachtvermittlung, Be- und Entladung wird von Lehmann übernommen. In Kundenkreisen weiß man sein Talent zu schätzen. »Bis ich einem fremden Kutscher erklärt habe, wo die »Badkanzel« ist, steht der Georg schon mit der Ware auf dem Hof«, hört man von dieser Seite. Rundholzlogistik im Nahbereich fordert mehr Kranverschleiß bei geringer Kilometerleistung pro Jahr.
Bluetooth-Technik im LKW
Die Fahrleistung übers Jahr liegt bei 50.000 bis 60.000 km. Entsprechend sieht die Fahrzeugbeschaffung aus. Die Ausmusterung einer 5 Jahre alten MAN Zugmaschine im Januar erfolgte bei einem Tachostand von 310.000 km. Für ein schweres Nutzfahrzeug ist das wenig. Der Komfort im Fahrerhaus beschränkt sich auf ein großes Bett und einen Kühlschrank. Vergeblich sucht das Auge nach der Bedieneinheit für die Zusatzlenkung. Zusatzlenkungen sind vorgeschrieben, wenn die Stützweite der Langware über 13 Meter liegt. Sie dient der Nachjustierung des Geradeauslaufs beim Nachläufer nach der Beladung sowie der Bewältigung von schwierigen Fahrmanövern. Links vom Fahrersitz ist ein Tablet über eine Konsole an der A-Säule befestigt. Damit beginnt die digitale Zukunft im Rundholztransport. »Bluetooth« heißt das Zauberwort. Die Liste der drahtlosen Funktionen ist ist lang. Zusatzlenkung, die Winde für das Zusammenfügen des Kombisattelanhängers nach Entladung, pneumatische Bolzenverriegelung des Anhängerteleskops, Rundumleuchten, Rückfahrscheinwerfer und Arbeitsleuchten werden per Tablet gesteuert. Die Signalübermittlung erfolgt auf direktem Weg vom Tablet zum Arbeitsgerät.
Großes Besteck
Bei Georg Lehmann werden Zugmaschinen grundsätzlich nach fünf Jahren ausgetauscht, während die Anhänger in die zweite Zugmaschinengeneration mitgenommen werden. Bewährt haben sich robuste Plattformsattelanhänger mit sechs Rungenpaaren. Die Trailer sind mittig teilbar. Kopf- und Endteil können über zwei parallel geführte Teleskopschienen bedarfsgerecht ausgezogen werden. Beide Teile werden durch robuste Bolzen pneumatisch fixiert. Auf der Fahrt zur Waldbeladung wird der Anhänger bis zum Anschlag zusammengeschoben. Die Gesamtlänge vom vorderen Stoßfänger bis zu den Rückstrahlern misst dann kompakte elf Meter. Für den Transport von Stämmen über 16 Meter Länge werden Kopf- und Endteil getrennt. Das Endteil ist dann nur über die Stämme mit dem Kopfteil verbunden. Die vorliegende Genehmigung erlaubt Langholztransporte bis 25 Meter, gemessen vom Kranüberhang vorn bis Stammende. Beim Kurzholztransport kann das gesamte Längensortiment bedient werden. Beide Achsen sind schemelgelenkt, scheibengebremst und luftgefedert. Die Zwangslenkung wird über zwei Hydraulikzylinder im Bereich der Sattelkupplung angesteuert, eine bewährte Lösung. Sobald die Ladung bei Kurvenfahrt im Zugmaschinenbereich den Rungenhalter verdreht, wird Öl in den Hydraulikzylindern verdrängt oder angesaugt. Dieser Ölstrom wird über Schläuche zum Nachläufer geleitet, wo dieser über weitere Hydraulikzylinder die Nachläuferachsen verdreht. So funktioniert die Zwangslenkung. Mit diesem »großen Besteck« ist GL auf alle Rundholztransporte vorbereitet. Wenn es drauf ankommt, kann man damit auch Betonfertigteile transportieren. Lehmann hat es probiert. Das ist nichts für ihn. Er will beim Holz bleiben.
Fahreindrücke
Georg Lehman ist durch und durch Geschäftsmann. Entsprechend ist das Gespann konfiguriert. Sonderausstattungen sind dort willkommen, wo sie betriebswirtschaftlich sinnvoll sind. Das heißt Ersatzrad und Freisprechanlage ja, Alufelgen nein. »Wir sind auf Arbeit nicht beim Schaulaufen« heißt die Parole. Das Fahrerhaus wirkt aufgeräumt. Alles hat seinen Platz. Sechs Aktenordner mit Holzlisten und Kartenausschnitten sind übersichtlich in Staufächern abgelegt. Die 12-Gang-Automatik schaltet zügig. Das ist wichtig, damit das beladene Gespann bei Bergfahrt während des Hochschaltens nicht verhungert. Zwei Rückwärtsgänge sorgen für rasche Fahrt zur Beladung in langen Sackgassen. Die Zwangslenkung der beiden Anhängerachsen, verleiht dem Gespann ein ausgezeichnetes Handling. Selbst im beladenen Zustand bei 25 Metern Gesamtlänge ist eine zügige Kurvenfahrt bei einem Minimum an Rückspiegelgebrauch möglich. Die Zusatzlenkung spielt bei Lehmann eine untergeordnete Rolle. Gewöhnungsbedürftig ist deren Bedienung über die zweidimensionale Bedienfläche des Tablets. Im Kollegenkreis wird diese Errungenschaft kontrovers diskutiert. Lehmann nutzt derzeit nur die aktivierten Steuer- und Schaltfunktionen des Tablets. Mittelfristig soll das Papier aus dem Logistikalltag verschwinden. Für Unbehagen sorgt die Tatsache, dass sich der Fahrer nach jedem Motorstop am Tablet neu anmelden muss. Passend zum Lastenheft hat sich der Unternehmer für eine zuschaltbare Lenkbremse entschieden. Diese wirkt nur auf unbefestigtem Grund und reduziert den Wendekreis um zwei Meter. Dabei werden die kurveninneren Antriebsräder angebremst während sich die äußeren Räder ungehindert weiterdrehen.
Bei einem Tachostand von rund 10.000 Kilometern beträgt der gemischte Kraftstoffverbrauch 45 bis 48 Liter auf 100 Kilometer, wobei sich der überproportionaler Kraneinsatz bei stehendem Fahrzeug nachteilig auf das Ergebnis auswirkt.
Arbeiten im Wald ist für den Zuwälder ein Heimspiel. Momentan kann er sich gar nicht vorstellen in zehn Jahren schon in den Ruhestand zu gehen.
Tabletnutzung am Steuer
Die pauschale Forderung »Hände weg vom Handy« ist nicht mehr aktuell. Seit dem 1. Januar 2021 regelt der §23 StVO den Gebrauch technischer Geräte, die der Unterhaltung, Information und Organisation dienen. Aktuell gilt, dass Fahrzeugführer während der Fahrt solche Einrichtungen nur benutzen dürfen, wenn diese dafür weder mit der Hand aufgenommen noch gehalten werden müssen. Was bedeutet das für CB- und Betriebsfunk? Die Benutzung eines Faustmikrofons während der Fahrt ist nicht mehr zulässig. Verstöße werden ähnlich sanktioniert wie der Gebrauch eines gehaltenen Handys ohne Freisprecheinrichtung.