Ostern ist für die Christen das älteste und höchste Kirchenfest. Und Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht sind für die Kapuziner des Zeller Klosters die intensivsten liturgischen Feiern des Kirchenjahres.
Und entsprechend laufen auch die Vorbereitungen im Kloster. Die Aufgaben werden verteilt: Bruder Markus ist für den Gründonnerstagsgottesdienst, Bruder Pirmin für den Gottesdienst am Karfreitag und Bruder Berthold für die Gestaltung der Osternacht zuständig. Bruder
Burkhard sorgt als Sakristan dafür, dass alles klappt, wie vorgesehen.
Am Gründonnerstag um
18 Uhr beginnen mit der Abendmahlmesse in der Hauskapelle für die acht Brüder des Konvents die drei österlichen Tage vom Leiden, Tod und der Auferstehung des Herrn. Der Gottesdienst ist zu Beginn sehr feierlich, die Zelebranten tragen die Festfarbe weiß. Zum Gloria läuten die Glocken. Danach verstummen Kirchenglocken bis zur Auferstehung Jesus in der Osternacht. In den Lesungen geht es um das Paschamahl im Alten Testament und um das Letzte Abendmahl Jesu. Die übliche Fußwaschung durch den Guardian Bruder Markus fällt in diesem Jahr wegen Corona auf höchste Anweisung aus Rom aus, ebenso das Küssen des Kreuzes bei der Kreuzverehrung am Karfreitag.
Stille in der Hauskapelle
Am Karfreitag versammeln sich die Kapuziner um 15 Uhr, zur Todesstunde Jesu, still in der Hauskapelle. Es gibt keine Eucharistiefeier, keinen Weihrauch, die Gewänder der Priester sind rot zur Erinnerung an das Blut, das Jesus im Leiden und Sterben vergossen hat. Die Leidensgeschichte aus dem Johannesevangelium wird von Bruder Pirmin als Erzähler und drei Mitbrüdern in verschiedenen Rollen vorgetragen. An der Textstelle, wo Jesus seinen Geist aufgibt, knieen die Kapuziner zu einem stillen Gebet hin. Danach werden die Großen Fürbitten in den Anliegen der Zeit für den Papst und die Kirche und für Regierungen und die Bedrohungen der Welt, die Kranken und Notleidenden vorgetragen. In diesem Jahr mit einer Fürbitte mehr, die speziell um Gottes Hilfe in der Epidemie bittet.
Seit dem Jahr 400 gibt es die Kreuzverehrung. Das Kreuz, das Bruder Pirmin trägt, wird in drei Schritten zum Altar getragen und dabei enthüllt. Die anderen Brüder verehren es mit einer Kniebeuge. Die Karfreitagsliturgie endet mit dem Segensgebet ohne Kreuzzeichen.
Entzündung der Osterkerze
Die Osternachtsfeier beginnt in der dunklen Kirche mit der Entzündung und Segnung der Osterkerze. Nach dem gesungenen Osterlob, dem Exsultet, werden bei Kerzenschein drei Texte aus dem Alten Testament vorgetragen. Danach wird es feierlich. Die Orgel spielt, alle Glocken läuten und das Licht in der Kirche wird angemacht-Christus ist auferstanden.
Die Kapuziner sitzen nach der Osternacht, in der Jesus auferstanden ist, zusammen und feiern das Osterfest und dass Jesus auferstanden ist. Sie singen mehrmals an diesem Abend mit ihren kräftigen Stimmen »Halleluja Jesus lebt« und stoßen mit einem Gläschen Wein an, das Guardian Bruder Markus zur Feier des Tages spendiert hat.
Am Ostersonntag wird die Wallfahrtskirche, die in österlichem Glanz erstrahlt, früh aufgeschlossen. Gläubige können gerne eine kleine geweihte Osterkerze, die vorne in der Kirche bereit gelegt werden, an der Osterkerze entzünden und mit nach Hause mitnehmen.