Die künftige Nutzung des historischen Rundofens wurde im vergangenen Jahr ausgiebig diskutiert. Jetzt scheint der Knoten endlich geplatzt: Ähnlich wie das Karlsruher Schloss soll das Kulturdenkmal durch atemberaubende Laserprojektionen zu einem digitalen Kunstwerk und damit zu einem überregionalen Besuchermagnet werden.


»Wir sind glücklich, dass wir diese bahnbrechende Lösung gefunden haben«, zeigt sich Bürgermeister Günter Pfundstein optimistisch, dass der sanierte Rundofen zu einer Erfolgsgeschichte wird. »Mit dieser Nutzung können wir die über 200-jährige keramische Tradition des Gebäudes mit den Innovationen des Jahres 2020 verbinden«, signalisiert auch Dieter Petri, der 1. Vorsitzende des Fördervereins Rundofen, seine Zustimmung.
Rund 800 Quadratmeter Folie verbaut
Damit die 3D-Projektionen mit Lasertechnik gut funktionieren war es notwenig, die Klinkerfassade des Rundofens mit einer hochweißen Spezialfolie zu verhüllen. Nachdem die Unterkonstruktion angebracht war, wurde die Folie in den vergangenen Tagen von den Mitarbeitern der Zimmerei Jaegel aus Meißenheim-Kürzell in akribischer Arbeit aufgezogen. Rund 800 Quadratmeter Folie wurden verbaut. Die Arbeiter agierten von einer Kabine aus, die an einem Baukran hing und die von ihnen selbst gesteuert wurde.
Jetzt ist die Bildfläche fertig und schon am heutigen Mittwoch, bei Einbruch der Dunkelheit, können die ersten Projektionen durchgeführt werden. Die Laserstrahler werden an vier Eckpunkten installiert. Die Synchronisation der Bilder wird mit einem Zentralcomputer digital gesteuert.
Szenen aus der Zeller Keramik
Auf der Suche nach passenden Filmsequenzen sind Stadt und Förderverein schnell fündig geworden. Eine vielversprechende Quelle ist das Filmarchiv des früheren, inzwischen verstorbenen Keramik-Geschäftsführers Günter Haiss, der die Arbeit in der Zeller Keramik Ende der 1950er und in den 1960-er Jahren in bewegten Bildern dokumentiert hat. Die Super-8-Filme wurden digitalisiert so dass die Filmszenen nun mittels Laserprojektionen auf dem Rundofen wieder lebendig werden.
Weitere interessante Filme haben Hobby-Filmer Franz Huber und die Fotofreunde Zell beigesteuert. »Wir verfügen über einen großen Fundus neuerer und älterer Filme«, berichtet Franz Huber wobei die Themen vom bäuerlichen Leben des Harmersbachtals über große Jubiläumsfest bis hin zum Rundgang durch heimische Industriebetriebe reichen. Der Vorrat sei fast unerschöpflich und reiche für die nächsten Jahre, wecken die Fotofreunde die Vorfreude.
Moderne Produktionen
»Wir wollen aber nicht nur historische Bilder zeigen, sondern auch modernen Produktionen breiten Raum bieten«, betont Bürgermeister Günter Pfundstein. Denkbar sind die Projektionen von großen Konzerten der Klassik sowie Rock- und Pop-Events. Vielleicht sogar herausragende Sportereignisse, wie die Stadtderbys zwischen dem ZFV und dem FVU.
In vier Spielzeiten wurden beim Karlsruher Schloss rund 1,4 Millionen Gäste gezählt. Dies werde man zwar in Zell a. H. nicht ganz erreichen, zeigt sich das Stadtoberhaupt zurückhalten. Es zeige aber, dass in dieser Art der modernene Unterhaltung ein besonders großes Potenzial stecke.
Testlauf dauert ca. eine Stunde
Schon heute Abend beim ersten Testlauf rechnet man seitens der Stadt und des Fördervereins Rundofen mit einem großen Zuschauerinteresse. Deshalb gilt die Bitte an alle Neugierigen, genügend Abstand zu halten. Vom Stadtpark aus oder vom Platz beim Kulturzentrum ist der Rundofen überall gut sichtbar.
Die Premiere heute Abend wird ca. eine Stunde dauern. Zur Justierung der Laseroptiken wird die Folie zunächst in verschiedene Farbflächen getaucht. Dann werden zum Auftakt die ersten digitalisierten Bilder von Günter Haiss in schwarz-weiß von der Unteren Fabrik gezeigt.
In den Sommermonaten soll das Kulturdenkmal dann zum neuen, strahlenden Wahrzeichen der Stadt Zell werden. Die Organisatoren der »Nohocker-Party« im August und die Programmmacher von »Zellkultur« sind schon in heller Vorfreude auf die spektakulären Möglichkeiten. Das Motto für das Jahr 2020 ist schon gefunden: »Neues Feuer im Zeller Rundofen!«