Pfarrer Reinhard Monninger schildert in einem Beitrag, die ihn als Pfarrer und Privatperson in der derzeitigen Corona-Situation bewegen:
»Die derzeitige Corona-Situation bewegt mich wie viele andere auch. Sie prägt meinen Alltag, mein Familienleben, meinen Beruf, meine Freizeit. Vieles verändert sich und die „neue Realität“ steht noch nicht fest.
Die Entscheidungen der Verantwortlichen Politiker – Kontaktverbot, Versammlungsverbot, Schließung von Geschäften, Heimen, Kirchen … – hat uns vermutlich vor einer größeren Katastrophe bewahrt. Angesichts von Leben und Tod habe ich im Augenblick keine Sorge um Bürger-, Freiheits- und Religionsrechte. Die Geschäfte werden mit Bedacht geöffnet und die Verantwortlichen unserer Kirche machen sich bereits Gedanken, unter welchen Bedingungen die Gottesdienste im Mai oder Juni wieder gefeiert werden können.
Mir fehlen die Gottesdienste, die Gemeindekreise, die Veranstaltungen und die vielen Begegnungen. Meine Freunde und Verwandten treffe ich nicht mehr. Geplante Konzerte werden abgesagt und Urlaubsreisen storniert. Das wöchentliche Hobbytanzen findet jetzt im Wohnzimmer statt und ein Gaststättenbesuch vermisse ich schmerzlich. Wir wollten unsere Silberne Hochzeit ganz groß feiern, das muss wohl jetzt ausfallen.
Als Pfarrer bin ich Brückenbauer zwischen Gott und den Menschen und will an beiden »Ufern« andocken. Der Kontakt zu den Menschen ist jedoch wegen des Virus nicht mehr so einfach. Die Gemeindearbeit, die Gottesdienste, die Haus- und Geburtstagsbesuche finden nicht mehr statt. Selbst die Beerdigungsgespräche führe ich mit dem Telefon. Dieser Kontaktmangel ist für die Trauernden besonders hart. Auf dem Friedhof stehe ich dann am Grab mit wenigen Trauernden und den Sargträgern mit Mundschutz, was gespenstisch wirkt. Ich habe viel Zeit zum Lesen und Nachdenken über die Zukunft unserer Kirchengemeinde, die sich in diesen Wochen verläuft. Zu den Menschen versuche ich Kontakt zu halten mittels Telefon, Computer und Briefen. Seit Kurzem nehmen wir regelmäßig Videopredigten auf und stellen sie auf unserer gemeindlichen Homepage (Eki-Zell.de) ein. Am Sonntagmorgen besuche ich unsere Kirche und erfreue mich mit wenigen Gläubigen am Orgelspiel und dem stillen Gebet. Danach komme ich mit den Menschen ins Gespräch.
In manchen Häusern drücken wirtschaftliche Sorgen und Nöte, was mich sehr bewegt. Ich selbst habe das Glück, dass ich beruflich abgesichert bin und mit meiner Frau und den beiden Töchtern im Pfarrhaus mit einem schönen Garten wohnen kann. Wir verzichten auf alle Außenkontakte, so dass die Familie immer stärker in den Fokus gerät. Gespräche, Musikhören, gemeinsames Kochen und Wandern zeigen mir, wie kostbar meine Lieben sind. Ich würde sie jederzeit mit nehmen auf eine einsame Insel – diese „Insel“ ist jetzt unser Pfarrhaus!«