Der in Zell-Unterharmersbach geborene Fritz Riehle sammelt seit Jahrzehnten Dekor-Fliesen und Motivteller der Zeller Keramik. Jetzt hat er im Zeller Pfarrheim seine umfangreichen Kenntnisse über die Produktionsgeschichte der Zeller Keramik mit Bildern von Unternehmern, Dekoren und Künstlern an rund 70 Besucher/innen weitergegeben.



Am Anfang waren die Zeller Hafner, die den hierzulande lagernden Ton in einfache Töpferware verarbeiteten. Einer von ihnen, Joseph Anton Burger, begab sich nach seiner Lehre als Geselle auf Wanderschaft. In Frankreich und der Schweiz lernte er die Herstellung von anspruchsvollem Steingut kennen. Nach Zell heimgekehrt, erhielt er vom Stadtrat 1790 die Erlaubnis, in seiner Werkstatt, noblere Fayencen herzustellen.
1805 erweiterte Burger seine Werkstatt zu einer arbeitsteiligen Manufaktur. Die erforderlichen Mittel für den Einsatz von Maschinen brachten die Kaufleute Jacob Ferdinand Lenz und Georg Schnitzler ein. Deren Nachfolger begannen 1842 mit der Herstellung von Porzellan. Die dafür notwendige Erde, das weiße Kaolin, wurde aus Limoges, Zentralfrankreich, herbeigeschafft. Aus dieser Zeit ist in Zell der eindrucksvolle Rundofen mit drei übereinander liegenden Brennkammern erhalten. Er erinnert an das umfangreiche Gelände der »Oberen Fabrik«.
Zwei Fabriken, ein Produkt
Auch in der zunächst eigenständigen »Unteren Fabrik« wurde Keramik produziert. Die Spezialität war Baukeramik zur Verschönerung der Fassaden. Beispiele lassen sich an einigen Zeller Gebäuden noch bewundern. 1890 trat Georg Schmider als Teilhaber in die Firma ein. Er engagierte die Designerin Elisabeth Schmidt, auf die das beliebte Dekor »Favorite« zurückgeht. Auch das heute meist verkaufte Motiv Hahn & Henne des Keramikmalers Carl Schöner wurde in der Unteren Fabrik kreiert. 1907 kaufte Georg Schmider die Obere Fabrik hinzu und vereinigte beide Produktionsstätten.
Riehle präsentierte zahlreiche Beispiel für bemalte Fliesen, die nicht für die Ausstattung von Bädern verwendet wurden, sondern als schmucke Untersetzer und Friese dienten. Seine Sammlung umfasst heute rd. 500 Einzelstücke. Auch mit bedruckten Wandtellern verfügt Riehle inzwischen über eine stattliche Sammlung. Interessanterweise werden die historischen Raritäten auf dem amerikanischen Markt per ebay angeboten. Vermutlich haben Auswanderer sie als Erinnerungsstücke an die Heimat mitgebracht.
Sammler-Virus
Riehle hat von 1962-1965 die Privatschule der Zeller Kapuziner besucht. Das Abitur legte Riehle in Bensheim an der Weinstraße ab. Nach dem Studium der Physik und der Promotion fand er eine Anstellung bei der Bundesanstalt für Messtechnik in Braunschweig. Zu den Obliegenheiten des Professors i. R. gehörte auch die Betreuung einer supergenauen Atomuhr.
Das Interesse Riehles an der Zeller Keramik begann vor drei Jahrzehnten. Die kunstvolle Ästhetik bildete einen willkommenen Ausgleich zur sachlichen Naturwissenschaft. Die Leidenschaft hat aber auch familiäre Wurzeln. Sein Großvater Karl Horn hatte 1884 aus Böhmen kommend als Porzellanmaler sein Glück bei der Zeller Keramik gesucht. Das »Gen« hat sich beim Urenkel erhalten.
Josef Stenzel, Team-Sprecher des Altenwerks, dankte dem Referenten mit einem Präsent heimischen Weins und äußerte die Hoffnung, dass seine Verbindung zu Zell und seiner Keramik erhalten bleibt. Der Einladung zum Vortrag waren auch der derzeitige Besitzer der Zeller Keramik, Ralf Müller, und der Sprecher der Zeller Museumsfreunde, Heinz Scherzinger, gefolgt.