Trauer und tiefe Betroffenheit lösten der allzu frühe Tod von Forstdirektor Ernst Künzel aus. Am Dienstag, 18. September, ist er im Alter von erst 72 Jahren verstorben. Als Leiter des Forstamts Zell am Harmersbach und des Forstbezirks Wolfach war er im Tal eine bekannte und geschätzte Persönlichkeit.
Ernst Künzel kam am 14. November 1945 als Nachkriegskind von Hilde und Stephan Künzel im bayrischen Beilngries zur Welt. Beilngries sollte aber nur ein kurzer Zwischenstopp im Leben von Ernst Künzel sein. Es war der Ort, an dem seine Eltern nach der Flucht aus Böhmen Zuflucht fanden und eine Familie gründen konnten.
Ernst Künzel wurde die Begeisterung für den Wald und die Jagd in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war fürstlich-fürstenbergischer Forstamtsleiter in Böhmen, einem Landesteil des heutigen Tschechien. In Folge des Benes-Dekrets, durch das 1945 die deutsche Bevölkerung enteignet und vertrieben wurde, flohen seine Eltern über die Staatsgrenze nach Bayern. Dort kamen Ernst und auch seine Schwester Christa zur Welt.
Bereits 1933 hatte Prinz Max Egon die Leitung der Fürstlich-Fürstenbergischen Gesamtverwaltung in Donaueschingen übernommen, wohin die fürstliche Familie daraufhin übersiedelte. Forstmeister Stephan Künzel konnte mit Familie seinem Dienstherrn bald nachfolgen und wurde dort Chef der Fürstlich-Fürstenbergischen Forstverwaltung. Zum Forstamt gehörte ebenso eine ausgedehnte Jagd mit einer Jagdhütte in Herzogenweiler, wo die Familie zahllose Wochenenden verbrachte. So wuchs Ernst Künzel also schon von Kindesbeinen in das Gewand eines Forst- und Jagdmanns hinein.
Nach dem Abitur auf dem Fürstenberg-Gymnasium absolvierte Ernst Künzel seinen Wehrdienst als Pionier bei der Bundeswehr, der er noch über Jahre die Treue hielt und regelmäßig zu Reserveübungen ausrückte. Auch diese Hingabe und der Stolz dienen zu können wurde damit belohnt, dass Ernst Künzel als Oberstleutnant der Reserve Mitte der 90er Jahre verabschiedet wurde.
Die Laufbahn des höheren Forstdienstes begann für ihn mit dem Studium an der Universität Freiburg. „Der Vater war sehr angetan von meiner Entscheidung, auch in den Forstbereich zu gehen“, erzählte Ernst Künzel, der vom Vater einiges mit auf den Weg bekommen hatte. Ernst Künzel fand Freunde beim Corps Hubertia, einer Studentenverbindung, in deren Haus auch etliche andere Forststudenten lebten. Als Referendar führte er Betriebsprüfungen durch und bekam als Taxator Einblick in den Ablauf von vielen Forstämtern im Regierungspräsidium Südbaden.
Von 1979 bis 1987 trug Ernst Künzel als stellvertretender Amtsleiter am Forstamt St. Blasien Verantwortung. Dass er in den Wäldern um St. Blasien und Bernau Hirsche jagen konnte, war ihm und seiner in die Wiege gelegten Berufung als Jäger eine wahre Freude.
1987 musste Ernst Künzel das geliebte Jagdrevier zugunsten eines lange gehegten Traumes verlassen, um als Oberforstrat ein eigenes Forstamt in Zell am Harmersbach zu leiten. In Zell war es für ihn möglich, nahezu unabhängig von der staatlichen Forstverwaltung, Privat- und Gemeindewald zu betreuen. Hier konnte er arbeiten und nach eigenen Auffassungen forsten und vermarkten. Ernst Künzel zog also mit seiner ersten Frau Sabine und den drei Kindern nach Zell am Harmersbach. Hier übernahm er das Forstamt Zell und erfüllte seine neue Aufgabe erfolgreich.
Zu Beginn seiner Tätigkeit war ihm die Gründung mehrerer Forstbetriebsgemeinschaften ein großes Anliegen, welches er vorantrieb. Auch seine Beziehungen zur Bundeswehr konnte er, zurzeit nach dem Sturm »Wiebke« 1990, hervorragend einsetzen. Er konnte erreichen, dass mehrere Soldaten halfen, die Sturmschäden in Körperschafts- und Privatwald zu beseitigen. Der Sturm »Lothar« 1999 war die wohl größte Herausforderung für den Forstamtsleiter und seine Revierleiter. Auch wenn niemand den Schaden für die Waldbesitzer wiedergutmachen konnte, so gelang es doch, alles angefallene Holz zu einem angepassten guten Preis zu vermarkten.
Im Zuge der Forstreform in Baden-Württemberg konnte er als Forstdirektor in den erweiterten Forstbezirk Wolfach wechseln. 2010 wurde Ernst Künzel in den Ruhestand verabschiedet.
Auch mit dem Umzug nach Zell kam natürlich die Liebe zum Wald und zur Jagd nicht zu kurz. Eine der ersten Amtshandlungen war der Einzug in die Jagdhütte im Erzbach, die zu seinem neuen Jagdrevier gehörte. Mit viel Herzblut und mit aller Hingabe bewirtschaftete Ernst Künzel bis zuletzt sein Jagdrevier. Auch als ihm aufgrund seiner Verletzung das Gehen schwer fiel, ließ er es sich nicht nehmen, wenigstens mit dem Auto durch sein Revier zu streunen und den Duft der Jagd zu wittern.
Zell wurde für Ernst Künzel zur Heimat. Als Privatmann war Ernst Künzel gerne im Kreise von Familie und Freunden. Er genoss es Anekdoten aus Studienzeiten und von der Familie zu erzählen. Auch als Vater und Großvater ist Ernst Künzel ein nicht zu ersetzendes Unikat. Er war zweimal verheiratet und starb verwitwet. Er hinterlässt aus erster Ehe drei Kinder und fünf Enkel. Durch die zweite Ehe mit Brigitte, die zwei weitere Kinder mit in die Ehe brachte, erweiterte sich die Familie später auch um drei weitere Enkel.
Am Freitag, 28. September, findet um 16 Uhr in der Stadtpfarrkirche die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung statt. Allen Angehörigen gilt die herzliche Anteilnahme.