»Zell 2030« befindet sich nach zwei Jahren auf der Zielgeraden. Als Ergebnis der umfassenden Diskussionen wurden im Rahmen der Bilanzwerkstatt gestern Abend vierzehn schnelle Projekte präsentiert, die bereits umgesetzt werden. Auch das große Zukunftsbild der Stadt Zell ist gezeichnet. Zu den herausragenden Maßnahmen gehören die Sanierung des Rundofens und des Rathauses sowie die Verkehrsentlastung der Innenstadt. In sechs Arbeitsgruppen sollen die Themen diskutiert und weiterentwickelt werden. Großes Lob zollte Dr. Jens Hoffmann von der Hochschule Neubrandenburg den Zeller Kleinstadtpionieren: »Sie haben viel geleistet.«


Bürgermeister Günter Pfundstein rief nochmals den Projektstart in Erinnerung. Noch mit der Zustimmung seines Vorgängers Hans-Martin Moll hatte die Agentur AgilEvent beim Bundesbauministerium die Bewerbung für das Forschungsfeld »Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen« eingereicht. Für bundesweit 928 Kleinstädte mit 5.000 bis 20.000 Einwohnern wäre eine Teilnahme möglich gewesen. Zell a. H. kam in die engere Wahl und so führte Bürgermeister Pfundsteins erste Dienstreise am 25. Juni 2015 nach Berlin. Dort findet Ende Juni 2018 nun nach drei Jahren auch die Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes statt. Bundesminister Horst Seehofer vom Ministerium des Inneren, für Bau und Heimat im Kabinett Merkel hat sein Kommen zu diesem Kleinstadtkongress zugesagt.
Auch in Zukunft sind alle gefordert
»Mit der heutigen Bilanzwerkstatt und der Abschlussveranstaltung soll das Projekt nicht beendet sein«, rief Bürgermeister Pfundstein den Mitgliedern der Szenariogruppe zu. Auch in Zukunft seien alle gefordert, sich an der Entwicklung der Stadt Zell zu beteiligen. Dies könne nicht nur die Aufgabe des Gemeinderats, der Verwaltung und des Bürgermeisters sein. Die Kleinstadtpioniere seien während der zweijährigen Projektdauer zu einer Familie zusammengewachsen. Die Bilanz falle überwiegend positiv aus.
Bereits in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am 18. Juni wird sich der Zeller Gemeinderat mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts befassen. Nach den Sommerferien soll das städtebauliche Handlungskonzept öffentlich vorgestellt werden. Am 17. Oktober tagt wieder der Stadtmarketing-Ausschuss, der künftig Stabsstelle für die Weiterführung des Projektes sein soll.
Am 9. oder 16. November wird es in der Ritter-von-Buß-Halle eine Einwohnerversammlung geben. »Mit wieder mindestens 400 Teilnehmern wie beim Projektauftakt«, hofft Bürgermeister Pfundstein. Ein gutes Wir-Gefühl und auch der offene Wille zu Veränderungen seien notwendig, um die Stadt weiterzuentwickeln. Auch die Kritiker müssten mit einbezogen werden. Mut und Risikobereitschaft gehören dazu. »Sonst bleibt alles beim Alten. Und das wollen wir ja nicht«, rief Bürgermeister Pfundstein dazu auf, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzuführen. »Zell 2030« sei als griffiger Arbeitstitel für den Prozess gefunden worden, der auch nach dem offiziellen Ende weitergehe. Drei Jahre und zwanzig Prozent des Weges sei man schon gemeinsam gegangen.
Spannend und herausfordernd
Geschäftsführer Kai Broweleit von der Begleitagentur AgilEvent bezeichnete das Forschungsprojekt als spannend, herausfordernd, befriedigend und innovativ. Die Kleinstadtpioniere hätten Pionierarbeit für die Kleinstadt geleistet. Die zwei Jahre seien wie im Flug vergangen und man könne gemeinsam stolz auf das Geleistete sein.
Lars Porsche vom Bundesministerium für Inneres, der gestern von Berlin nach Zell gekommen war, bestätigte, dass durch das Forschungsfeld das Thema Kleinstädte auch in der Bundespolitik angekommen sei. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sei nun festgeschrieben, dass man eine systematische Betrachtung der Kleinstädte brauche. Eine Kleinstadt biete viele Chancen und Räume. »Zell a. H. geht einen beispielhaften Weg. Bleiben Sie dran«, forderte Lars Porsche die Teilnehmer auf.
In den vergangenen zwei Jahren sei ein großes leeres Blatt beschrieben worden, stellte Dr. Jens Hoffmann von der Hochschule Neubrandenburg fest. In vier Arbeitsgruppen wurde das Zukunftsbild »Mein Städtle Zell 2030« visualisiert. Dieses stelle nun einen Zwischenschnitt in der Stadtentwicklung dar. Viele gute Ideen seien zusammengetragen worden. Nun müsse eine Prioritätenliste erstellt werden. Auch Jens Hoffmann betonte, dass im Idealfall die Stadtentwicklung von allen Bürgern getragen werde. Nicht zu unterschätzen sei auch die Außenwirkung, die das Forschungsprojekt ausgelöst habe und sogar schon bei Minister Seehofer angekommen sei. »Feiern Sie ihre Erfolge und klopfen Sie sich gelegentlich auf die Schultern«, forderte Dr. Hoffmann alle Akteure auf.
Harmersbachtalbahn bleibt bestehen
Auf das große Thema Verkehrsentwicklung ging Geschäftsführer Matthias Kappis vom Planungsbüro Kappis ein. In der Verkehrsstudie habe man mögliche Trassen untersucht. Bei der Verkehrslenkung plane man kurzfristig (5 Jahre), mittelfristig (5 bis 20 Jahre) und langfristig (über 20 Jahre). Eine Botschaft hatte er bereits: Am Fortbestand der Harmersbachtal gebe es keinen Zweifel. Man sei sich der Problemstellen bewusst, so Matthias Kappis. Es werde nicht »die eine Lösung« geben, bei der alle Hurra schreien. Ein wichtiges Ziel sei die Verkehrsentlastung der Innenstadt und damit die Steigerung der Aufenthaltsqualität.
Bürgermeister Günter Pfundstein ergänzte Inhalte einer aktuellen Deutschlandstudie, die unter anderem aussagt, dass in Großstädten die Menschen viele öfter zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind als in Kleinstädten. Darin sehe er auch für Zell ein riesiges Potenzial.
Man sieht Fortschritte
Anerkennung für die präsentierten Ergebnisse gab es von Zuhörern, die bei der Bilanzwerkstatt in der Mensa des Bildungszentrums am
gestrigen Donnerstagabend erstmals am Projekt teilnahmen. »Es hört sich richtig gut an und ist faszinierend, was erarbeitet wurde«, bestätigt Jutta Schmid vom Vorstand des Handels- und Gewerbevereins. Man sehe Fortschritte, bestätigte Charlotte Kunner und auch die Gemeinderäte Paul Gutmann und Thomas Hoog lobten die geleistete Arbeit. Dass die Jugend mit eingebunden wurde, sei besonders wichtig. Eberhard Müller erinnerte daran, dass Zell auch eine Verantwortung für die Welt und den Klimaschutz habe. Vor allem die Landwirtschaft müsse gefördert werden.