Zugegeben: als Schneidwerkzeugmechaniker/in hatten sich Stefan Christ und Roberta Woyte ursprünglich nicht beworben – sie kannten den Beruf nicht einmal. Bis sie eine Ausbildung bei der zur Walter AG gehörenden Prototyp-Werke GmbH beginnen wollten.
Statt der bekannten Ausbildung »Industriemechaniker/in« wechselten sie zu Schneidwerkzeugmechaniker/in – und bereuen diese Entscheidung nicht. Denn so lang die Bezeichnung für den Beruf ist, so vielfältig ist er auch. Statt Schwertern oder Messern wie im Mittelalter produzieren Schneidewerkzeugmechaniker/innen bei Prototyp heute komplexe, hochtechnlogische Werkzeuge und müssen dafür moderne CNC-Schleifmaschinen bedienen können. »Diese Ausbildung ist für uns von großem Interesse, da viele unserer Produkte nur von Spezialisten geschliffen werden können«, betont der Geschäftsführer Karl F. Lehmann. Die Übernahmechancen in diesem Beruf stünden daher gut. Den »lebendigen Beweis« haben sowohl Stefan als auch Roberta angetreten, welche nach ihrer Ausbildung gerade unbefristet bei Prototyp übernommen wurden.
Im März reisten die beiden zur Freisprechung zur Jakob-Preh-Berufsschule in Bad Neustadt, der einzigen Berufsschule für Schneidwerkzeugmechaniker/innen in ganz Deutschland. Begleitet wurden sie teilweise von ihren Familien und von Wolfgang Lehmann, Ausbildungsleiter der Prototyp-Werke. Dieser war sichtlich stolz auf seinen »ersten Jahrgang«.
Die beiden Absolventen eines der »schärfsten Gewerke« (Walter Heußlein, Präsident der Handwerkskammer Unterfranken) arbeiten heute als Werkzeugschleifer in den beiden großen Produktionsbereichen bei Prototyp, der Hartmetall- und der HSS-Fertigung. Ihr Fazit der ersten Zeit als »Junggesellen«? »Die Ausbildung hat sich gelohnt und unsere Aufgaben sind sehr vielfältig und abwechslungsreich«, meinen beide einhellig.
Manchmal lohnt es sich, sich abseits der üblichen Wege zu trauen. Außer den beiden Junggesellen gibt es nur noch 40 andere Schneidwerkzeugmechaniker/innen dieses Jahr in Deutschland – und wer kann schon das von sich behaupten?