Eine Fülle von Eindrücken und Einsichten in württembergische(r) Geschichte bescherte die Exkursion der Volkshochschule in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Zell den zahlreichen Teilnehmern.




Ziel dieser seit 1990 jährlich stattfindenden Fahrten ist es schon immer gewesen, historische Orte im Zusammenhang zu begreifen, in diesem Fall die Universitätsstadt Tübingen mit ihrer reichen Geistesgeschichte und ihrer Funktion als Verwaltungsmittelpunkt und Kaderschmiede des Herzogtums sowie das unweit gelegene Kloster und Schloss Bebenhausen mit seinen Bezügen zu Tübingen und der Landesgeschichte von Baden-Württemberg überhaupt.
In Dr. Robert Lutz fanden die Exkursionsteilnehmer einen versierten Stadtführer für Tübingen vor, der mit Herz und Seele »sein« Tübingen mit bestem schwäbischem Akzent den Besuchern nahebrachte. Mit kleinen Schautafeln unterstrich er seine Erläuterungen von Tübinger Highlights. Als Ausgangspunkt wählte er die Platanenallee, von wo aus er einen Überblick gab über die von dort sichtbaren Hauptsehenswürdigkeiten. In einer »tour de force« stellte er die Eckpunkte württembergischer Geschichte im Gesamtrahmen deutscher Geschichte mit plastischer Sprache dar. Dass er dies in der ruhigen Platanenallee am Neckar tat, war nicht unbedacht, denn im wuselig lauten Treiben des Marktgeschehens um das Tübinger Rathaus herum hätten seine Infos kaum mehr Gehör finden können.
Geschichtsvermittlung mit dem »guten Ton«
Die Schwäbische Hymne präsentierte er mit seiner Trompete, begrüßte die Gäste aus Baden aber auch mit dem Badnerlied, in das diese natürlich sich nicht nehmen ließen einzustimmen: insgesamt also eine launige, mit vielen Anekdoten gewürzte Geschichtsvermittlung. Das Spektrum der Führungsthemen reichte vom Einfluss des Tübinger Stifts auf die Theologie, Philosophie und Politik (von Hebel bis Marx) über die Gewitztheit der Tübinger Weinbauern, also der »Googen«, bis zu den Errungenschaften der Naturwissenschaften der Universität Tübingen. Im Zusammenhang des Tübinger Universitätsspitals, vor dem man unter anderem stand, ging Lutz auch auf die Behandlung des geisteskranken Dichters Friedrich Hölderlin ein, der ein rätselhaftes lyrisches Gesamtwerk hinterließ und die letzten Lebensjahre im heute so genannten Hölderlinturm am Neckar fristete.
Nach so viel Geschichte wirkte die sich anschließende Stocherkahnfahrt auf dem Neckar überaus entspannend und das folgende Mittagessen im »La Torre« ebenso.
Kuriose Geschichten rund um das Kloster
Nach kurzer Fahrt erreichte der Bus dann Kloster und Schloss Bebenhausen, idyllisch gelegen inmitten des Naturparks Schönbuch. Der komplexe Bau zählt zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Klosteranlagen im südwestdeutschen Raum, war später Jagdschloss der württembergischen Könige und 1946 bis 1952 Versammlungsort des Landtags von Württemberg-Hohenzollern.
Diese Stationen der Bau- und Funktionsgeschichte in den Räumen direkt zu vermitteln, gelang auf vorbildliche Weise den Führerinnen Andrea Bachmann und Bettina Meier, die die Gruppe unter sich aufteilten. Sinnvollerweise, denn einige Räume waren klein und konnten auf diese Weise umso genauer inspiziert werden. Die Teilnehmer der Exkursion lobten hinterher nicht nur die Sachkenntnis, sondern auch das spürbare Engagement für »ihr« Bauwerk, das beide Führerinnen erkennen ließen.
Auch Kurioses kam bei den Erläuterungen nicht zu kurz, wie zum Beispiel der »Trick« des zisterziensischen Bauherrn des Klosters, der dem Vorwurf mangelnder Einfachheit und der drohenden Beseitigung des wahrlich schmuckreichen gotischen Vierungsturms dadurch vorbeugte, dass er ein Fresko im Kircheninnern anbringen ließ, das genau diese ziselierte gotische Form der Turmhaube als die von einem mönchischen Baumeister der Gottesmutter Maria höchst selbst überbrachte Form zeigte und damit jede Kritik an fehlender Schlichtheit zum Verstummen bringen ließ.
Staunende Bewunderung löste der krönende Abschluss der Klosterführung aus: das lichtdurchflutete Sommer-Refektorium mit seinem Sternengewölbe auf Achteckstützen, die bedeutendste Architekturleistung von Bebenhausen.
Sybille Nock, Leiterin der VHS Zell a. H., dankte dem Exkursionsleiter Bertram Sandfuchs vom Historischen Verein Zell für sorgfältige Planung und umsichtige Durchführung. Sandfuchs gab seinerseits gerne den Dank zurück für die reibungslose organisatorische Unterstützung. Der Dank war nicht zuletzt gerichtet an die Fa. Schnurr für die pünktliche Busgestellung, an den Busfahrer für die sichere Fahrt. So ging es dann »schnurr«stracks zurück nach Zell.
Ein paar nachdenkliche Momente dieser Rückfahrt gab es dennoch, mit einigen Gedichten von Friedrich Hölderlin, der sein unglückliches Leben im »Hölderlinturm« am Neckar beschloss und in hochpoetischen Gedichten wie »Hälfe des Lebens« oder »Brot und Wein« verdichtete. Gern stimmte man dann abschließend in das gemeinsam gesungene »Kein schöner Land« ein.