Das Benefizkonzert zu Gunsten der Aktion »Herzenspakete für Kinder in Not e. V.« begeisterte das Publikum in der evangelischen Kirche.



Man lasse »des Lebens Stürme« getrost »rollen«, wenn man sich »in Befriedigung versenken« könne, dichtete einst Friedrich Schiller. Das Klassikerzitat war nicht nur Titel und Leitmotiv des Konzerts am Samstagabend in der Zeller evangelischen Kirche, sondern kennzeichnet darüber hinaus das Leben und Schaffen des Musikers und Chorleiters Winfried Erb. Das menschliche Leben mit all seinen Höhen und Tiefen spiegelte sich in der Werkauswahl wider – vornehmlich Instrumentalmusik und Klavierlieder von Meistern der Romantik und Hochromantik wie Schubert, Schumann und Brahms.
Franz Schuberts »Klavierduo, D 947 – Lebensstürme« zählt zu den Werken obersten Ranges für Klavier zu vier Händen. Als wolle der Titel des Stücks umgehend bestätigt werden, beginnt es mit einer donnernden Akkordfolge, die sich im Verlauf in einer Melodie von harmonischer Tiefe auflöst. Melanie Bähr und Winfried Erb entfalten das Thema mit großer Sorgfalt, betonen den Rhythmus im Bass. Als Duo agieren beide sehr erfahren, in den besten Momenten blüht alles voller lebhafter Farben. Selbst auf einem Konzertflügel wären die Stärken dieser Interpretation nicht besser zur Geltung gekommen als auf dem Klavier in der Kirche.
Mit Johannes Brahms verbindet man meist klangmächtige Orchester- oder Kammermusikwerke und weniger das Kunstlied. Dabei hat Brahms viele Liedkompositionen mit zeitloser Themen geschaffen, wie der Vortrag der Sopranistinnen Judith und Felicitas Erb (»Die Meere«) zeigte. Beide gestalteten hellwach, intonationssicher und ausdrucksstark, von Melanie Bähr am Klavier kongenial begleitet. Das gilt auch für Brahms‘ »Die zwei Schwestern« mit dem Text von Eduard Mörike, der den Geschwistern wie auf den Leib maßgeschneidert zu sein scheint.
Die Kammermusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy funkelt vor Eleganz und Wohlklang. Auch die Liedkompositionen des bedeutenden Romantikers haben diesen Glanz und es genügen wenige Takte von »Herbstlied« oder »Abschiedslied der Zugvögel«, um das zu spüren. Beide von den Sopranistinnen großartig gesungenen Duette ernteten einen reichen Applaus.
Schuberts »Klavierstück Nr. 2, D 946« spielte Winfried Erb hochkonzentriert und mit Elan. Es gelang ihm in seinem zehnminütigen Vortrag eine abwechslungsreiche, in die Tiefe gehende Interpretation. Bemerkenswert ist Erbs mal verträumt-inniger Ton, dann wieder durchdringend sein stets kontrollierter Anschlag.
Zusammenspiel von Musik und Poesie
Im zweiten Teil des Konzerts dominierten die Solodarbietungen der Sängerinnen, jeweils von Melanie Bähr am Klavier unterstützt. In Edvard Griegs »Zur Rosenzeit« kam jene Melancholie zum Ausdruck, die man gemeinhin mit dem Werk des norwegischen Komponisten verbindet. Lyrisch-zart und einfühlsam phrasierend erklang Felicitas Erbs Sopran. Ein wunderbares Zusammenspiel von Dichtung und Musik findet sich in den Liedern Robert Schumanns. »Die Widmung« nach einem Text von Friedrich Rückert – Schumanns Braut und späterer Frau Clara zugeeignet – sang Felicitas Erb mit jubilierendem Ton. Die Zuhörer applaudierten begeistert.
Auch Judith Erb gestaltete ihre beiden Soloparts mit jugendlicher Frische und Ausdruckskraft. Das berühmte Lied von der »Forelle« aus der Feder Franz Schuberts hat der schwäbische Dichter Friedrich Daniel Schubart getextet: Der flinke Fisch entkommt im klaren Wasser dem Angler. Dieser trübt die Fluten und die überlistete Forelle ist verloren. Judith Erb verdeutlichte mit ihrem Vortrag die dramatischen Perspektiven aufs Feinste und überzeugte mit ihrem klaren Sopran.
Wenn auch nicht so bekannt wie seine Vorgänger, gilt Hugo Wolf als Meister des Klavierlieds. »Begegnung« greift das Motiv des Sturms auf, das sich im Liedtext von Eduard Mörike auf das flüchtige Zusammentreffen eines jungen Mannes mit einem Mädchen bezieht. Judith Erbs Stimme entwickelte einen fein abgestimmten, runden Klang und verlieh dem Ganzen einen zarten Schmelz.
Zum Schluss noch einmal Schubert. »Geselligkeit« und Tanz« stammen aus den »Quartetten zu vier Stimmen«. Mit Yannick Schwenkes weit in die Höhe reichendem Tenor und Matthias Schadocks profiliert-markantem Bass gelang ein kraftvolles Finale. Das Publikum in der evangischen Kirche war mitgerissen von der stimmlichen Wucht und dankte mit überwältigendem Applaus.
Die Zugabe widmete Winfried Erb mit Dankesworten seiner Frau Regina, die ihn über Jahrzehnte bei seinem musikalischen Aktivitäten unterstützt habe. Das Duett »Bei Männern, welche Liebe fühlen« aus Mozarts Oper »Die Zauberflöte« sangen Judith Erb und Matthias Schadock zusammen, wobei Felicitas Erb am Schluss mit einstimmte.