Am Mittwochabend wurde die Mehrfachbeauftragung »Rundofen Zell am Harmersbach« entschieden. Als Preisgericht beurteilte der Zeller Gemeinderat die vier eingereichten Architektenarbeiten und kam dabei zu einem klaren Ergebnis. Bei nur einer Enthaltung wählte das Gremium den Entwurf des Büros wwg-Architekten aus Biberach zum Sieger. Es sieht die Öffnung des Gebäudes durch einen verglasten Anbau und ein offenes Treppenhaus vor, so dass der Blick auf den Rundofen frei wird. Der wird dadurch zum »Star« des Gebäudes.







»Der Entwurf wurde von allen Gemeinderäten als sehr gut empfunden«, zeigt sich Bürgermeister Günter Pfundstein mit dem Ergebnis des beschränkt ausgegebenen Architektenwettbewerbs zufrieden. Der offene Blick auf den Rundoffen sei aber nur ein Entscheidungskriterium gewesen. Der Entwurf bringe genügend Ausstellungsfläche für das künftige Keramik-Museum, nach der Sanierung habe das Gebäude eine gute Energiebilanz.
Idee und Konzept
Die Erläuterungen der wwg-Architekten zu ihrem Planentwurf geben wir an dieser Stelle auszugsweise wieder: Um das Alleinstellungsmerkmal des markanten, historischen Baukörpers zu stärken, soll die Erscheinung des Rundofengebäudes weitgehend in seiner Außenwirkung erhalten und als Solitär mit Museumsnutzung überhöht werden.
Die bauliche Erweiterung wird in Flucht des Baukörpers um eine Service- und Erschließungseinheit unter Beibehaltung des Gebäudeprofils verlängert. Dies wird durch die völlige Demontage der ostseitigen aktuell verputzten und nicht bauzeitlichen Giebelwand ermöglicht. Durch die Transparenz des neuen südlichen Fassadenbereichs der Erweiterung, erschließt sich das Gebäudeinnere dem Betrachter bereits bei erster Annäherung einem »Puppenhaus« gleich. Der Rundofen soll, bislang im Verborgenen nahezu versteckt, nun als Herzstück des Ensembles inszeniert und als Hauptdarsteller aus den unterschiedlichsten Perspektiven neu erfahrbar gemacht werden.
Erschließung und Raumfolge
Beim Annähern an das Gebäude erfasst der Besucher den Rundofen bereits in seiner gesamten Gestalt, da die zum Rundofen hin leicht einknickende Fassade in der Haupterschließungsachse gebäudehoch großzügig verglast wird. Hinter der Fassade spannt sich über dem Foyer ein großzügiger Luftraum über alle Ebenen auf.
Der Besucher betritt das Gebäudeinnere über eine stufenlos an den Vorplatz anschließende Zwischenebene. Von hier aus dient der zur Rechten angelagerte Fahrstuhl der barrierefreien Erschließung. Zur Linken führt eine kleinere Treppe in das Untergeschoss, in welchem die Basis des Rundofens erfahrbar wird und Nebenräume (Technik, Abstellmöglichkeiten sowie die WC-Anlage) im Bereich des unterkellerten Anbaus erreicht werden.
Eine breite, museale Differenztreppe erschließt vom Eingangsfoyer aus die erste Ebene des historischen Rundofengebäudes, wobei diese Ebene im Anbau weitergeführt wird. Hier befindet sich zur Rechten der Museumsempfang mit Information und evtl. Museumsshop.
Die Anordnung eines Erschließungskernes mit zweiläufiger Treppenanlage in der Südostecke der Erweiterung, erlaubt den späteren baulichen Anschluss eines möglichen Anbaus nach Osten (Keramikproduktion).
Die einfache Grundriss- und Raumstruktur ermöglicht eine gute Übersicht über den Gesamtbau. Im Bestand werden die vorhandenen, baufälligen Zwischendecken durch neue, tragfähige und nachhaltige Betondecken mit Bauteilaktivierung ersetzt. Hierbei wird der archaische Charakter der Industriearchitektur aufgenommen und weiterinterpretiert, um die Atmosphäre und Ausstrahlung des Rundofens nicht zu schmälern.
Die Außenwände, welche sich nach oben hin geschossweise verjüngen, werden durch eine innenseitig vorgesetzte, farblich den Ziegelwänden angepasste Dämmbetonschale ertüchtigt und energetisch aufgewertet. Durch eine entsprechende Beleuchtung, wird eine dem Thema »Rundofen« passende Atmosphäre geschaffen – weit entfernt von klinisch weißer und beliebiger Museumsarchitektur. Das Gebäude leuchtet nun auch in den Abendstunden, bei Dämmerung und Dunkelheit von innen heraus verheißungsvoll, einladend und warm.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Das kompakte Gebäudevolumen und die massive Bauweise wirken sich insgesamt sehr günstig auf die Gesamtenergiebilanz aus. Der Einsatz von robusten und ökologischen Baustoffen garantiert eine lange Nutzungsdauer und geringe Betriebskosten. Die massiven Bauteile der Baukonstruktion sind thermisch träge und erlauben eine Temperierung über Bauteilaktivierung für ein behagliches Raumklima. Die Wärmeversorgung erfolgt energieeffizient und nachhaltig über Biomasse (z.B. Pelletanlage). Dies ist auch in Kombination mit dem eventuell anschließenden Produktionsgebäude denkbar.
Wettbewerbsentwürfe werden ausgestellt Bürgermeister Pfundstein informiert, dass die vier Wettbewerbsentwürfe zum Rundofen voraussichtlich schon ab Montag kommender Woche im Rathaussaal ausgestellt werden. Zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses hat die Bevölkerung die Möglichkeit, diese anzuschauen.
Gemeinsam mit dem Siegerbüro, den wwg-Architekten in Biberach, werde die Stadt nun in die Detailplanung gehen. Auch das Gesamtkonzept für das Keramikmuseum muss im zweiten Schritt nun erarbeitet werden. Die Verhandlungen mit der Zeller Keramik über den Anbau des Produktionsgebäudes werden ebenfalls fortgeführt. Angedacht ist, dass nach der Fertigstellung die Zeller Keramik den Museumsbetrieb mit übernimmt. Sowohl die Stadt Zell als auch die Keramik verfügen über eine umfangreiche Sammlung wertvoller Porzellan- und Keramik-Exponate.
Bürgermeister Pfundstein zeigte sich sicher, dass mit dieser Entscheidung ein wichtiger Schritt für die Sanierung des Rundofens getan wurde.











