Der „Runde Tisch“ hat jetzt für die Diözese unter anderem einen Katalog über den künftigen Raumbedarf für die Gemeinde zusammengestellt. Im Frühjahr soll es als Vorläufer zum späteren Bürgerforum eine Informationsveranstaltung geben.
Seit dem letzten Termin im April hat die vorbereitende Steuergruppe weitere Details geklärt, um mit dem „Runden Tisch“ zügig die seit langem schwelende und belastende Frage zu klären, was mit dem Pfarrhaus als Mittelpunkt des vielfachen Missbrauchs geschehen soll. Der „Runde Tisch“ hat jetzt für die Diözese unter anderem einen Katalog über den künftigen Raumbedarf für die Gemeinde zusammengestellt.
„Was ist das Beste für Oberharmersbach?“, stellte Moderator Tobias Lang diese Frage als Orientierung für das Arbeitstreffen. Immerhin habe man von der Erzdiözese Freiburg die Zusage, dass Oberharmersbach bei der Lösung des Pfarrhaus-Problems hinsichtlich der Finanzierung eine Sonderstellung einnehme. Der Hinweis, „in alle Richtungen zu denken“ müsse sich aber auch, so Lang, an der Zweckmäßigkeit der künftigen Nutzung einschließlich der Folgekosten orientieren.
Zähes Vorankommen bemängelt
Vereinzelt wurde das zähe Vorankommen bemängelt. „Wir haben es mit einem sensiblen Thema zu tun“, gab Lang zu bedenken. Ferner betrete man Neuland und müsse sich mit zahlreichen Anlaufstellen auseinandersetzen. Hierfür brauche man Geduld und jeder Schritt oder jede Entscheidung sei reiflich zu überlegen.
Unterstützung erhielt er hierbei aus der Steuergruppe, die darauf hinwies, dass Oberharmersbach die einzige Gemeinde sei, die in der Frage der Aufarbeitung schon so weit vorangekommen sei. Nicht wenige Betroffenen hätten zwischenzeitlich mit Mitgliedern der Steuergruppe das Gespräch gesucht und hier auch Rat und Hilfe für ihr weiteres Vorgehen erfahren.
Zu den hilfreichen Vorarbeiten der Steuergruppe zählten auch Informationsveranstaltungen über Traumata. „Jeder Betroffenen“ geht mit seinem Erlebnis unterschiedlich um“, summierte Doris Lehmann einen Teil dieser Erkenntnisse. Erschwert werde die Aufarbeitung des Missbrauchs, da diese früher nicht möglich war und man hier mit einem kollektiven Trauma umgehen müsse.
Das Ziel ist eine bessere Zukunft
„Oberharmersbach wird ein Ort des Neuanfangs, des Gehörtwerdens“, lobte Lang die bisherige Arbeit. Das Ziel sei eine bessere Zukunft. Für die Bedürfnisse der Betroffenen gebe es nie die eine Lösung. Das Augenmerk müsse hier auf vielfältige und einfach zu erlangende Angebote gerichtet sein, beispielsweise auch über das Internet.
Zentral ist ferner die Forderung nach Räumen der Sicherheit und des Vertrauens, wobei mit „Raum“ weniger der architektonische, sondern vor allem der Aspekt der Begegnung zu verstehen ist: ein Ort der Aussprache und des Austausches über Informationen und Erfahrungen, von Betroffenen und Angehörigen, auch Generationen übergreifend.
„Die Umgestaltung des Pfarrhauses wird aus diesem Grund radikal sein müssen, innerlich und äußerlich“, war der Tenor in der Runde. Unabhängig vom möglichen Abriss oder baulicher Neubeginn werde es hier Aufschrei und Anfeindungen geben, dort hingegen Gefühle der Erleichterung und des Neubeginns.
Räumlicher Bedarfsplan für die Gemeinde erstellt
Als Arbeitsergebnis stellte der „Runde Tisch“ einen räumlichen Bedarfsplan für die Gemeinde zusammen, der an die Erzdiözese weitergegeben wird. Im kommenden Jahr werden Veranstaltungen für Informationen zu rechtlichen Möglichkeiten und Ansprüche für Betroffene angeboten. Eine zusätzliche Web-Seite, ergänzt durch Aushänge und Auslagen, soll einen Überblick über die Arbeit des „Runden Tisches“ und der Steuergruppe sowie über Beratungsangebote geben. Und es wurden verschiedene Szenarien diskutiert, wie die bauliche Zukunft rund um Pfarrhaus und Pfarrzentrum aussehen könnte und welche unterschiedliche Nutzungs- und Eigentumsformen in Frage kämen.
Schließlich soll im Frühjahr als Vorläufer zum späteren Bürgerforum eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung terminiert werden, um über die bisherige Arbeit und deren Ergebnisse zu informieren.