Professor Ruge von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg hat mit seinen Studenten den Oberharmersbacher Wald besucht. Dort kann man noch den Plenterwald und Niederwald sehen.
Eine ganztägige Exkursion vermittelte 37 Studierenden des zweiten Semesters der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg wechselnde Eindrücke anhand verschiedener Waldbilder in den ausgedehnten Oberharmersbacher Waldungen. Schwerpunkte waren dabei die Bewirtschaftungsformen Plenterwald und Niederwald.
Stefan Ruge, Professor für Botanik und Waldbau-Grundlagen an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, war zum letzten Mal mit seinen Studenten vor Ort. Über lange Jahre hinweg hat er die Oberharmersbacher Waldungen immer wieder als Exkursionsziel ausgewählt. „Wir finden nur noch wenige Beispiele hier im Schwarzwald, wo man auch auf engem Raum die Waldbewirtschaftungsformen Plenterwald und Niederwald umfassend zeigen kann“, fasste er seine bisherigen Erfahrungen zusammen. Demnächst geht Professor Ruge in den Ruhestand.
Revierförster Hans Lehmann hat für den mehrstündigen Fußmarsch durch Gemeinde- und Privatwaldungen ein informatives Programm mit markanten Haltepunkten ausgewählt. Therese Palm, Leiterin des Forstbezirks Offenburg beim Amt für Waldwirtschaft des Ortenaukreises, begleitete die Exkursion und erhielt einen umfassenden Einblick in die aktuelle Ausbildung der angehenden Forstleute.
Ein Frage der Pflege
Vom Löcherberg aus startete die Exkursion ins blocküberlagerte Gelände des mittleren Buntsandsteins. „Was wir heute sehen und erfahren, ist natürlich prüfungsrelevant“, motivierte der Rottenburger Professor seine Studentinnen und Studenten. Dabei mahnten Ruge und Lehmann, die durch Geologie und Klima bedingten natürlichen Voraussetzungen nicht außer Acht zu lassen. Diese seien nicht weniger wichtig als wirtschaftliche Überlegungen beim Waldbau. Besondere Aufmerksamkeit galt daher immer wieder der natürlichen
Vegetation.
Ausführlich verharrte man beim Plenterwald, einem sich stetig verjüngenden Dauerwald. Diese Bewirtschaftungsform zeigt einen breit gefächerten Bestand auf der ganzen Fläche. Hier sei, so Lehmann, eine ständige Nutzung möglich. Tanne, Fichte und Buche stünden nebeneinander. Mit der Ästung erziele man auch hochwertiges Holz. „Es stellt sich immer die Frage, wie viel Zeit man für die Pflege bringen kann“, erinnerte Hans Lehmann an die Wirtschaftlichkeit bei steigenden Lohnkosten und schwankenden Holzpreisen. Unabdingbar seien eine gute Erschließung und ein angepasster Wildbestand.
Eichenschälwälder schrumpfen
Besondere Aufmerksamkeit galt am Nachmittag der Niederwaldbewirtschaftung mit dem bis vor Jahrzehnten üblichen „Rütti-Brennen“. Dabei waren sowohl die Reutfeldwirtschaft (Brennholzgewinnung und Feldbau im Wechsel) wie auch Eichenschälwälder (Gewinnung der Eichenrinde mit ihren Gerbstoffen für die Lederindustrie). „Nicht wenige dieser Flächen wurden überwiegend in Hochwald umgewandelt“, zeigte
Revierförster Hans Lehmann an ausgewählten Standortbeispielen. Bei den Baumarten habe man je nach Standortlage auch auf Laubholzbeimischung geachtet, um spätere Probleme mit Reinbeständen zu vermeiden. Jeder Waldbesitzer bringe unterschiedliche Baumarten ein. Daher seien von den ehemals rund 1.000 Hektar
Eichenschälwälder um 1900 heute nur noch etwa 140 Hektar vorhanden.
Das letzte „Rütti-Brennen“ als abgegangene Bewirtschaftungsform des Niederwaldes im September 1977 (Gewann Mißlinke) hat das Filmarchiv Oberharmersbach dokumentiert und zeigte abrundend den Exkursionsteilnehmern diese schweißtreibende Waldarbeit.
Professor Stefan Ruge lobte abschließend die jeweils gute und informative Zusammenarbeit mit der Oberharmersbacher Revierleitung in den vergangenen Jahren. Ein herzliches Dankeschön, verbunden mit einem Präsent, galt Revierleiter Hans Lehmann für die zeitaufwendigen Vorbereitungen der Exkursionen und seiner Frau Katja für die willkommene Erfrischung und Stärkung an Haltepunkten.
Schon gewusst?
Der Wald in Oberharmerbach ist groß. Rund drei Viertel der rund 4.000 Hektar umfassenden Gemarkung sind mit Wald bedeckt, davon entfällt etwa ein Drittel auf den Gemeindewald. Zusammen mit den 150 Privatwaldbesitzer und zwei Kirchenwaldungen ergeben sich ganz unterschiedliche Waldbilder,
die die Hochschule Rottenburg immer wieder für Exkursionen nutzt.