Oberharmersbacherin entdeckt Relikt aus dem 17. Jahrhundert

Kanonenkugel beim Pilzesuchen im Gewann Löcherberg gefunden

Beinah wie im Märchen: Eine Frau geht zum Pilze sammeln in den Wald und findet … eine alte Kanonenkugel. Aber von Anfang an.

Eine junge Oberharmersbacherin ging im November 2018 nahe der Löcherbergstraße in den Wald, um dort – wie schon häufiger – nach Pilzen zu suchen. Dabei hätte sie beinahe den runden Gegenstand zwischen Laub und Gras übersehen. Den fotografierte sie dann, ließ die Kugel aber liegen.

Erst ein Jahr später, nachdem sie mit einem Mitglied des Historischen Vereins Oberharmersbach gesprochen hatte, gingen die beiden Frauen nochmals zu der Stelle und fanden die Kugel unversehrt vor. Sie waren sich schnell einig, dass es sich wohl um eine Kanonenkugel handeln musste. Um sicher zu gehen wurde die Kugel nun mitgenommen und dem Ritterhaus-Museum in Offenburg zur genaueren Betrachtung und Bewertung übergeben. Dr. Bertram Jenisch, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs »Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit« beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart mit Dienstsitz in Freiburg nahm sich der Sache an.

Erst im Jahr 2020 kam dann die Antwort, dass es sich vermutlich um eine Kanonenkugel aus dem 17. Jahrhundert handele, möglicherweise aus dem 30-jährigen Krieg. Denn in dieser Zeit gab es im oberen Kinzigtal, wie auch in den Seitentälern, zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen. Aber man kann die Kugel keiner bestimmten Kampfhandlung zuweisen. Es ist auch nicht möglich, das Kaliber einer speziellen Kriegspartei zuzuordnen, da alle in etwa dieselben Kaliber verwendet haben.

Die Kugel wiegt etwa drei Kilogramm, ist also ein sogenannter Sechspfünder. Eine Stelle der Oberfläche lässt vermuten, dass die Kugel als Hohlkörper »gebaut« wurde, in den durch eine Öffnung »Material« eingefüllt wurde. Diese Öffnung wurde danach verschlossen. Durch dieses Verfahren wurde bei solchen Geschossen eine größere, vernichtendere, tödlichere Wirkung erzielt.

Nach ihrer Odyssee durch verschiedene Abteilungen des Landesamts für Denkmal­pflege ist die Kugel nun wieder in Oberharmersbach. Der Revierförster hat die genauen GPS-Daten des Fundortes aufgenommen. Nun wird überlegt, wie und wo dieses Relikt aus dem 17. Jahrhundert der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.