Auf Einladung der Maschinenfabrik Erwin Junker konnte die Nordracher Feuerwehr ihre diesjährige Herbstübung auf deren Betriebsgelände durchführen. Ein Industriebetrieb dieser Größenordnung birgt viele Gefahren, so war es nicht allzu schwierig, für ein entsprechendes Übungsszenario zu sorgen. Wichtig ist auch, dass solche Übungen realitätsnah vorbereitet und auch den vorhandenen Einsatzmitteln angepasst werden. So beschränkte man sich auf die Bereiche Schlosserei, Stahllager und Teile der Verpackungshalle.


Die Übungsannahme stellte sich so dar, dass sich ein Mitarbeiter in der Schlosserei an einer Maschine mehrere Finger abgetrennt hatte. Ein mit Schweißarbeiten beschäftigter Kollege wollte ihm sofort zu Hilfe eilen, nahm in der Hektik jedoch sein Schweißgerät nicht ordnungsgemäß außer Betrieb und löste dadurch einen Schwelbrand mit starker Rauchentwicklung aus.
Zwei weitere Mitarbeiter der Schlosserei flüchteten in Folge des Brandes in das benachbarte Stahllager, wo der eine stürzte und sich dabei schwer verletzte. Sein Kollege geriet mit seinem Unterschenkel unter ein schweres Eisenteil und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Der dazu gerufene Betriebssanitäter alarmierte über Notruf sofort Feuerwehr und Rettungsdienst und begann mit den ersten Maßnahmen.
Brandschutzhelfer der Firma
Wie es auch im Ernstfall sein sollte, erwartete ein Brandschutzhelfer der Fa. Junker die Einsatzfahrzeuge am Eingangstor zum Firmengelände, um diese einzuweisen. Sofort erkundete Heiko Spinner, Kommandant und Einsatzleiter der Nordracher Feuerwehr, zusammen mit seinem Stellvertreter Manuel Nepple die Lage. Am Eingang der Verpackungshalle wurden sie schon vom wild gestikulierenden Betriebssanitäter erwartet.
Vor dem Eingang zur Schlosserei lag der stark blutende und schwer an der Hand verletzte Arbeiter, in der Schlosserei war starke Rauchentwicklung zu sehen, zwei Mitarbeiter wurden vermisst und noch in der Schlosserei vermutet.
Nach dieser vorgefundenen Situation teilte der Einsatzleiter seinen Führungskräften ihre jeweiligen Aufgaben zu. Ein Atemschutztrupp ging mit einem C-Rohr sofort zur Suche nach den Vermissten Arbeitern durch die Verpackungshalle in die Schlosserei vor. Die Wasserversorgung stellte die Einsatzkräfte der Feuerwehr vor keine großen Probleme. Die Fahrzeuge der Nordracher Wehr führen zusammen 3600 Liter Löschwasser mit und auf dem Betriebsgelände befinden sich Unterflurhydranten der öffentlichen Wasserversorgung. Zudem fließt die Nordrach unmittelbar am Betriebsgelände vorbei, aus der, je nach Situation, zusätzlich Wasser entnommen werden kann.
Sanitäter der DRK vor Ort
Um den schwer an der Hand verletzten und mittlerweile bewusstlosen Mitarbeiter kümmerten sich die Sanitäter der DRK Ortsgruppe Nordrach unter der Leitung von Franziska Dold. Da mit weiteren »Verletzten« zu rechnen war, richtete das DRK mit ihrem Gerätewagen einen Verbandsplatz unter einer Bedachung ein, um Erstversorgung und Registrierung durchzuführen, sowie den Abtransport in entsprechende Kliniken vorzubereiten.
Die Feuerwehr war mittlerweile mit mehreren Atemschutztrupps im Einsatz, um nach den Beiden weiterhin vermissten Arbeitern zu suchen. Mit einem Lüfter versuchte man den Rauch über Abluftöffnungen ins Freie zu blasen, um bessere Sicht zu erhalten.
Letztendlich war die Suche im Stahllager erfolgreich, eine Person war beim Sturz in einen Eisenstab gefallen und konnte nach der Erstversorgung des DRK noch relativ problemlos abtransportiert werden. Ganz anders stellte sich die Situation beim anderen Arbeiter dar. Auf dessen Unterschenkel lag ein äußerst schweres rundes Gussteil, welches unmöglich mit Muskelkraft angehoben werden konnte. Der vorhandene Kran kam nicht in Frage, da die Halle durch den angenommenen Brand stromlos war.
Während der »Verletzte« vom Bereitschaftsarzt auf seine Rettung vorbereitet wurde, brachte die Feuerwehr alle für das Anheben des schweren Gussteils in Frage kommenden Einsatzmittel in Stellung. Besteht keine unmittelbare Lebensgefahr, wie das hier gegeben war, wird immer eine möglichst Patientenschonende Rettung bevorzugt, der Zeitfaktor wird dabei in den Hintergrund gestellt. Nach Abwägung der unterschiedlichen Möglichkeiten entschied man sich, nachdem man das Teil gegen Wegrollen gesichert hatte, es mit dem Greifzug anzu heben, was letztendlich auch zum gewünschten Erfolg führte.
Beobachter und Manöverkritik
Interessierte Beobachter der Übung waren von der Fa. Junker Geschäftsführer Dr. Karsten Schaumann und der für den Standort Nordrach zuständige Brandschutzbeauftragte Rolf Stiewe, sowie von der Gemeinde Nordrach Bürgermeister Carsten Erhardt und die Gemeinderäte Christian Schwendemann und Erwin Decker.
Bei der anschließenden »Manöverkritik« im Feuerwehrgerätehaus zeigte sich Kommandant Heiko Spinner mit dem Übungsverlauf sehr zufrieden. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK wurden vor einige Herausforderungen gestellt, die jedoch sehr besonnen und durch gute Zusammenarbeit beider Hilfsorganisationen abgearbeitet werden konnten. Ein besonderer Dank galt den beiden DRK-Helferinnen Vivien Müller und Laura Neumayer, welche die »Verletzten« wieder täuschend echt präpariert hatten. Seine Ausführungen beendete er mit einem herzlichen Dank an die Geschäftsführung der Maschinenfabrik Erwin Junker. Diese stellte nicht nur das Betriebsgelände für die Übung zur Verfügung, sondern übernahm zudem auch die Kosten für das anschließende Essen sowie der Getränke.
Bürgermeister-Stellvertreter Günter Eble, der auch selbst als DRK-Helfer an der Übung beteiligt, bedankte sich im Namen der Gemeinde bei allen an der Übung mitwirkenden Personen, sowie ebenfalls bei der Fa. Junker. Besonders freute ihn, das mit Jugendfeuerwehr und Jugendrotkreuz auch der Nachwuchs beider Organisationen bei der Übung involviert waren, sie sorgen, so seine Hoffnung, einmal für den notwendigen Nachwuchs in den aktiven Reihen.