Die Neugestaltung der Ortsmitte und der Kauf des Pfarrheims durch die Gemeinde waren die Themen der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend in der Hansjakob-Halle. Bürgermeister Carsten Erhardt berichtete über das Verfahren und die Finanzierung des Projekts. Landschaftsarchitekt Pit Müller erläuterte die Baupläne und den geplanten Bauablauf. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Ansgar Horsthemke informierte über die Verhandlungen und Verkauf des Pfarrheims an die politische Gemeinde.

Der notarielle Kaufvertrag ist schon abgeschlossen. Das Pfarrheim gehört nun der politischen Gemeinde und wird auch in
Zukunft ein zentraler Ort für das öffentliche Leben in Nordrach bleiben.
Seit neun Jahren befindet sich die Gemeinde Nordrach im Landessanierungsprogramm mit dem Ziel, die Ortsmitte neu zu gestalten und um die Potenziale der Heimatgemeinde nachhaltig zu nutzen. »Einiges hat sich seither getan«, zog Bürgermeister Carsten Erhardt eine Zwischenbilanz. Fünf Einwohnerversammlungen wurden zu dem Thema schon abgehalten, Arbeitskreise und Untergruppen haben getagt. Beim ÖPNV wurden die 17-Uhr-Verbindung, das Nordrach-Taxi und weitdere Buslinien in der Ferienzeit und an den Wochenenden eingeführt. Zur Belebung des Tourismus wurden der Heilkräutergarten angelegt und neue Veranstaltungen etabliert. Finanziell gefördert wurde die Offenhaltung der Landschaft und bei der Breitbandversorgung konnte nahezu flächendeckend Glasfaserkabel verlegt werden.
Förderquote von rund 60 Prozent
Erster großer Schritt bei der Neugestaltung der Ortsmitte war die Sanierung des Rathauses, die 2018 abgeschlossen werden konnte. Über 1,3 Millionen Euro wurden in das Gebäude investiert. Nun stehen der Kurpark, der Festplatz und der Bereich um die Kirche bevor. Auch hier war man sich in der Vergangenheit einig, dass Handlungsbedarf besteht. Für die Gemeinde seien die Maßnahme eine finanzielle Herausforderung und nur durch Fördergelder zu stemmen, stellte Bürgermeister Erhardt fest. Der Förderrahmen belaufe sich auf 3,76 Millionen Euro. Rund 60 Prozent werden über das Bund-Länder-Programm finanziert. Rund 1,5 Millionen muss die Gemeinde Eigenmittel aufbringen. Das Förderprogramm läuft offiziell im April 2020 aus. Eine Verlängerung bis 2024 wurde beantragt. Die Signale aus dem Regierungspräsidium Freiburg seien zustimmend. Nach wie vor, so Bürgermeister Erhardt, können auch private Maßnahmen innerhalb des Sanierungsgebietes gefördert werden.
Grundsätze bei der Planung seien die Barrierefreiheit des neuen Bürgerparks gewesen. Der Mehrgenerationen-Spielplatz könne von Kindern und auch Behinderten genutzt werden. Die Ortsmitte soll ein Frequenzbringer für Nordrach sein und die Möglichkeit bieten, auch neue Feste zu gestalten. Der neue Spielpark soll ein Ort sein, wo sich Nordracher, Feriengäste und Familien aus den Umlandgemeinden treffen. Letztlich solle dies zur Stärkung der örtlichen Betriebe beitragen. »Wir wollen uns auf die Hinterbeine stellen und gegen den negativen Strudel ankämpfen«, zeigte sich Bürgermeister Erhardt trotz des Verlustes des Morada-Hotels und des St.-Georg-Pflegeheims entschlossen. Nordrach soll ein Ort bleiben, an dem sich alle wohlfühlen.
Finanzielle Weichen sind gestellt
Finanziell ist die Gemeinde auf das Großprojekt vorbereitet. Die Rathaussanierung ist abgerechnet und bezahlt. Auch der Kauf des Pfarrheims sei bereits berücksichtigt. Bürgermeister Erhardt informierte, dass die Gemeinde Ende 2019 noch 138.020 Euro Schulden habe, was einer Pro-Kopf-Verschuldung im Kernhaushalt von 73 Euro entspreche. Zum Vergleich liege der Durchschnitt im Land bei Gemeinden von 1.000 bis 3.000 Einwohnern bei 484 Euro
pro Kopf.
Nordrach habe massiv seine Schulden abgebaut auch im Bewusstsein, dass das bevorstehende Großprojekt nicht ohne Kreditaufnahme gehe. Rund 600.000 Euro muss die Gemeinde verteilt auf zwei Haushaltsjahre aufbringen. Erhardt rechnet damit, dass davon rund 300.000 Euro über den laufenden Haushalt gedeckt werden können.
Die Sanierung der Ortsmitte sei ein Gewinn für das Nordrachtal, zeigte sich Carsten Erhardt zuversichtlich. Gemeinsam werde man die Ortsmitte durchdacht, nachhaltig, zielstrebig, naturnah, ökologisch, wirtschaftlich, kinderfreundlich und altersgerecht erneuern.
Baubeginn im Mai 2020
Landschaftsarchitekt Pit Müller erläuterte den Zuhörern der Einwohnerversammlung die Details der Planung. Mit dem Bau müsse abgewartet werde, bis die beantragten ca. 500.000 Euro Zuschüsse aus dem Tourismusprogramm bewilligt sind. Den Bescheid erwarte man im Frühjahr 2020. Parallel dazu laufen die Erstellung der Leistungsverzeichnisse und die Ausschreibungen der Arbeiten, so dass dann im Mai 2020 mit den Arbeiten begonnen werden könne. Im Juli 2021 sollen die Landschaftsgestaltung einschließlich der Hochbauten umgesetzt und 3,6 Millionen Euro verbaut sein.
Die Sanierung der Ortsmitte ist in vier Bauabschnitte aufgeteilt. Begonnen wird mit dem Kurpark und dem Festplatz sowie mit dem Hochbau des Musikpavillons und des Funktionsgebäudes. Vierter und letzter Bauabschnitt ist der Bereich um die Kirche. Zentraler Bereich des künftigen Bürgerparks ist der neue Spielplatz mit dem »Nord-Drachen« als Leitmotiv. »Es wird eine schöne Sache werden«, zeigte sich Pit Müller überzeugt.
Über sechs Jahre wurde verhandelt
Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Ansgar Horsthemke informierte im Rahmen der Einwohnerversammlung über den Verkauf des Pfarrheims von der katholischen an die politische Gemeinde. Bereits vor über sechs Jahren habe man sich Gedanken darüber gemacht, wie das Pfarrheim in das Sanierungsgebiet integriert werden könne. Diese Überlegungen sind nun in den Verkauf des Gebäudes samt Grundstück gemündet. Der Notartermin hat am 11. September 2019 stattgefunden. Der Eigentumsübergang wird am 11. November 2019 vollzogen.
Ein weiterer Grund für die Überlegungen, so der Pfarrgemeinderatsvorsitzende, seien die Strukturveränderungen innerhalb der Kirche gewesen. Dabei stellte sich die Frage, welche Gebäude sich die Kirchengemeinde noch leisten kann. Die pastorale Gebäudekonzeption sei inzwischen für alle Seelsorgeeinheiten Pflicht.
Für das Pfarrheim habe es sechs verschiedene Modelle gegeben. Großer Diskussionspunkt sei der Verkauf des Grund und Bodens, auf dem das Pfarrheim steht, durch die Pfarrpfründestiftung der Erzdiözese Freiburg gewesen. »Hier hat man in Freiburg sehr eigenwillige Ansichten“, machte Ansgar Horsthemke die schwierigen Verhandlungen deutlich. Dies sei auch der Grund dafür gewesen, dass man seitens der Pfarrgemeinde nicht früher an die Öffentlichkeit gehen konnte und dass in Nordrach die Gerüchteküche gebrodelt habe. Selbst der Abriss des Gebäudes, so Ansgar Horsthemke, stand zwischenzeitlich zur Diskussion.
Nach vielen Diskussionen und dem Entgegenkommen beider Seiten habe man sich einigen können. Damit bleibe das Pfarrheim den Nordrachern erhalten. Eine mehrfach gestellte Frage sei, warum die Kirchengemeinde vor dem Verkauf noch das Dach des Gebäudes saniert habe, so Dr. Horsthemke. Dies habe man gemacht, um möglichst viele Zuschüsse für das Gebäude zu erhalten.
»Die Verhandlungen vor Ort haben gepasst. Die atmosphärischen Störungen kamen aus Freiburg«, ergänzte Bürgermeister Carsten Erhardt. Es sei wohl ein einmaliger Vorgang, dass sich die Pfarrpfründestiftung von Grund und Boden getrennt habe. Nicht betroffen vom Verkauf seien das Pfarrhaus und der Kindergarten. Über den Kaufpreis habe man Stillschweigen vereinbart. Die kirchlichen Gruppierungen werden weiterhin die Räume nutzen und haben einen Mietvertrag über 20 Jahre abgeschlossen. Dieser Betrag habe man beim Kaufpreis berücksichtig, stellte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende auf Nachfrage aus der Zuhörerschaft fest.
Nutzung ändert sich vorerst nicht
Das Pfarrheim wird nun zum Dorfgemeinschaftshaus. An der Nutzung werde sich vorerst nichts ändern, stellte Bürgermeister Erhardt fest. Unter anderem treffen sich im Pfarrheim regelmäßig das Bildungswerk, der historische Verein und die Krabbelgruppe. Auch in Zukunft, so Bürgermeister Erhardt, soll das Pfarrheim ein Zentrum für das Gemeindeleben in Nordrach bleiben.