Das letzte Oktoberwochenende stand nochmals ganz im Zeichen des Moospfaffs. Auf dem Mühlstein und dem Boscherthof wurde in geselliger Runde gelacht und gespeist und den Sagen rund um Nordrach oder der Herstellung von heimischem Likör gelauscht.
Auch der letzte freie Stuhl im Gasthaus »Vogt auf Mühlstein« war besetzt, als der Knecht »De Horig Lenz« voller Elan die Gaststube betrat. Die gespannten Besucher schauten auf, ein Lächeln breitete sich im Gesicht aus, als »de Horig Lenz« begann zu singen: »Stall usmischde, Goise melge, des isch minne Ärbit, stall usmischde, Goise melge do bin ich für do.« Schnell wurde das Lied ein Ohrwurm und der gesamte Gastraum stimmte mit ein.
Das Licht wurde gedämmt und »De Horig Lenz« begann zu berichten, wie er als Knecht auf dem Mühlstein lebte und was einst auf dem Mühlstein und im Dorf geschehen war. Die Besucher lauschten mit gespitzten Ohren.
Die Magd vom Vogtshof durfte einst auf die Kilwi im Dorf. An den Marktständen deckten sich die Bewohner des Ortes für den Winter ein, in den Gasthäusern wurde getanzt und die Magd machte sich nachts in der Dunkelheit auf den Weg nach Hause, nachdem ihr der Nachbarsknecht Sepp einen Korb gegeben hatte. Sie lief alleine den Schanzbach hoch Richtung Mühlstein und neben ihr tauchte der Sepp auf, sagte kein Wort aber folgte ihr bis in ihre Vogtskammer, wo er sich als Teufel erwies.
Es folgten weitere Geschichten und Erzählungen und umgeben von der Atmosphäre im Gasthaus »Vogt auf Mühlstein« wurde man in die damalige Zeit zurückversetzt und fühlte sich mittendrin statt nur dabei, was bei dem ein oder anderem Gänsehaut verursachte. Egbert Laifer alias »De Horig Lenz« sorgte mit seinen Erzählungen für einen kurzweiligen Abend, einem Raum voller Stille und gespannten Zuhörern und am Schluss für eine heitere Stimmung, als er nochmals sein Lied anstimmte »Stall usmischde, Goise melge, des isch minne Ärbit…«.
Auf dem Boscherthof …
Auf den Abend im Mühlstein folgte ein weiterer Abend im Rahmen des Moospfaffmonats, welcher das Schlusslicht der Veranstaltungen bildete. »Von der Beere bis zum Likör« – zu dieser Veranstaltung wurden Gäste auf den Obstbrennerhof von Angela Boschert eingeladen, welche neben vier weiteren Nordracher Obstbrennern auch den Moospfafflikör brennt.
Die mit kreativer Tonkunst und vielen Lichtern verzierte Hoffläche versprühte wunderbar wohlige Stimmung, sodass bereits hier die Freude auf den bevorstehenden Abend anstieg. Angela Boschert begrüßte die kleine aber feine Runde, welche sich in ihrer Brennerei eingefunden hatte, mit einem fruchtig beerigen Mostlikör-Aperitif. Eine Überraschung des Abends war »d Pfifferle-Zäzel«: Mit einem Strohkorb voll Holz, einem mit weißen Punkten besetzten blauen Kleid und einem schwarzen Jäckchen kam die »Pfifferle-Zäzel« mit Schwung und guter Laune in ihre Brennerei und beschreibt leicht verständlich die einzelnen Schritte des Schnapsbrennens. Und zwischendrin fallen ihr die besten Geschichten ein, wo selbst die Gäste mit »ah, das hab ich jetzt auch nicht gewusst« zustimmten.
Woher hat die Kornebene eigentlich ihren Namen und warum heißt der Diebsweg eigentlich Diebsweg? Was hat sich einst am Schneiderskreuz in Nordrach zugetragen? All das wusste »d Pfifferle-Zäzel« (verkörpert von Angela Boschert) genau zu erzählen und sorgte somit für einen unterhaltsamen und zugleich lehrreichen Abend. Und der Genuss kam natürlich nicht zu kurz. Hofeigener, fruchtiger Likör gab es zu probieren, der sich als Hochgenuss auf der Zunge entpuppte. Und Angela Boschert wusste jede Frage der wissbegierigen Gäste rund um das Obstbrennen zu beantworten. Bei einem deftigen Vesper wurde jeder Hunger gestillt und die Gruppe verbrachte einen geselligen Abend in heimeliger Atmosphäre.