Am vergangenen Mittwoch ging die Tavernenabend-Saison 2017 zu Ende. Zum Ausklang standen »Jochen und seine Freunde« auf der Bühne. Sie spielten vor mehr als 1.000 Besuchern Schlager aus den 1960er und 1970er Jahren.




»Jochen und seine Freunde« entschlossen sich am letzten Tavernenmittwoch schon früher zu beginnen. Der Grund war jedoch nicht das Wetter wie bei den »Ramonas« vor zwei Wochen, sondern die treue Fangemeinde. Schon um 18 Uhr war der Festplatz in der Neuen Ortsmitte Biberachs voll besetzt gewesen. Die Akteure des Abends sahen deshalb keinen Grund, die Fans länger als nötig warten zu lassen und legten schon wesentlich früher als angekündigt los. »Genug Lieder haben wir ja im Programm«, lachte Sängerin Gisela. »Es ist eh’ so schnell zehn Uhr (Anm. d. Red. um 22 Uhr endet die Veranstaltung). Warum die Zeit also nicht nutzen?«
Überwiegend deutsche Schlager schallten sodann in den nächsten Stunden von der Bühne, handgemacht und 100 Prozent live gespielt von Gisela, Karl-Heinz, Jochen und Bert.
Evergreens nonstop zum Mitsingen
Eröffnet wurde der Abend mit dem Stück »Tavernenabendzeit«, einer eigens für die Veranstaltungsreihe umgetextete Version des Stimmungskrachers »Schürzenjägerzeit«. Anschließend wurden unter anderem »Anita« und viele andere Frauen besungen, ein »Festival der Liebe« beschworen und die »Fiesta Mexicana« gefeiert. Lieder, die jeder kennt, Stücke, bei denen jeder mitsingen kann.
Die Kinder tanzten schon vor der Bühne, als die Älteren noch bei Wurstsalat und anderen Leckereien des FV Biberachs an den Tischen saßen und die neuesten Neuigkeiten mit Bekannten austauschten. Die Musik war auf ausdrücklichen Wunsch der Band nicht übermäßig laut, so dass man gut mitschunkeln und mitsingen, sich durchaus aber auch unterhalten konnte. »Hier treffen sich alte Freunde, die sich sagen: Wir sind früher immer miteinander zum Tanzen weggegangen, das machen wir heute wieder,« war von Gisela zu erfahren. »Ist doch klar, dass man da auch ein bisschen miteinander reden will.«
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit wurde dann auch von den Erwachsenen vermehrt in Sachen Discofox und sogar Twist das Tanzbein geschwungen und ehe man sich versah, war es auch schon fünf vor Zehn. Beim letzten Lied »Sierra Madre« war der Festplatz in das Licht hunderter Feuerzeuge getaucht. Und weil die Besucher lautstark nach Zugaben verlangten, schlossen sich noch »Ciao d’amore« und als wirklich allerletztes Stück der Tavernenabend-Saison 2017 »Wooden Heart« alias »Muss i denn« von Elvis an.
Individuelle Lösungen für das Platzproblem
Der proppevolle Festplatz veranlasste so manchen Besucher, selbst kreativ zu werden. An einigen Stellen waren selbst mitgebrachte, bequeme Sitzgelegenheiten im Einsatz. Familie Schüle aus Prinzbach war mit ihren Feriengästen zum Tavernenabend gekommen und funktionierte kurzerhand leere Getränkekisten zu Hockern und zwei Euro-Paletten zu einem Tisch um. Noch schnell eine Fleecedecke über die Holzlatten – fertig war das gemütliche Open-Air-Wohnzimmer für Familie Meyer aus Remscheid mit Enkeltochter Ingejoy (10) und Familie Eckert aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie waren sich – wie alle anderen übrigens auch – einig: »Zum Tavernenabend kommen wir bestimmt wieder!«
Sehr gut besucht, aber kein Rekordjahr
Alle vier Abende seien sehr gut besucht gewesen, auch wenn der Besucherrekord aus dem Jahr 2015 mit damals 4.400 Gästen nicht überboten worden sei, resümiert Susanne Brückner von der Gemeinde Biberach die Veranstaltungsreihe. Etwa 3.500 Gäste, die dem Sanitätsbereitschaftsdienst des DRK-Ortsvereins so gut wie keine Arbeit machten, besuchten in diesem Jahr Schätzungen zufolge die Tavernenabende. Und die trugen ihren Namen überwiegend zu Recht. Bei sommerlichen Abendtemperaturen und manchmal sogar blitzblauem (Sternen-) Himmel kam wirklich mediterranes Urlaubsfeeling auf, bei der Musik des Badischen Stummfilm Orchesters am ersten, beim Acoustic Rock mit »Try Tomorrow« am dritten und beim abschließenden Abend mit »Jochen und seinen Freunden«. Sogar am zweiten Mittwoch mit dem angekündigten Dauerregen waren zunächst 1.100 Besucher in die Neue Ortmitte gekommen, um die »Ramonas« spielen zu hören. Davon war knapp die Hälfte trotz geöffneter Himmelsschleusen an diesem Abend bis zum Schluss geblieben. Bewährt habe sich außerdem der auf 19.30 Uhr vorverlegte Musikbeginn, durch den sich sogar noch die letzten Sonnenstrahlen auf dem Festplatz genießen ließen, war von den Verantwortlichen zu erfahren.